Web & Entwicklung

Headless Commerce

Headless Commerce trennt die Shop-Logik von der Darstellung: Warenwirtschaft, Warenkorb und Bezahlung laufen im Hintergrund, die sichtbare Oberfläche wird separat gebaut und greift über Schnittstellen darauf zu.

Redaktionell geprüft von Alexander SeidlertwentyonepixelsStand:

Der Nutzen der Trennung

Sie können die Oberfläche frei gestalten, ohne an die Vorlagen eines Shopsystems gebunden zu sein – und Sie können dieselben Daten an mehreren Stellen ausspielen: Website, App, Verkaufsdisplay im Laden, Marktplatz. Die Preise und Bestände kommen aus einer Quelle.

Der zweite Vorteil zeigt sich beim Wechsel: Ein neues Erscheinungsbild bedeutet keinen Umbau der Shop-Logik, und ein Wechsel des Shopsystems keinen Neuaufbau der Oberfläche.

Wann die Trennung sich rechnet

Wenn Sie über mehrere Kanäle verkaufen — Website, App, Marktplatz, Filialsystem — und alle denselben Bestand und dieselben Preise brauchen. Dann ist der zentrale Kern der Vorteil, und die Oberflächen sind austauschbar.

Bei einem einzelnen Onlineshop ist es zusätzliche Bewegung ohne Gegenwert: zwei Systeme, zwei Aktualisierungszyklen, eine Schnittstelle dazwischen, die ausfallen kann.

Welche Arbeit dabei zusätzlich anfällt

Alles, was ein Standardshop mitbringt und hier selbst gebaut wird: Suche, Filter, Warenkorbverhalten, Checkout-Abläufe, Fehlermeldungen. Das sind Wochen, nicht Tage, und sie stehen in keinem Lizenzvergleich.

Hinzu kommt die Vorschau: Redakteure sehen im Verwaltungsbereich nicht mehr, wie ihre Änderung aussieht. Diese Vorschau nachzubauen ist ein eigener Posten und wird regelmäßig vergessen.

Der ehrliche Preis

Zwei Systeme statt einem heißt mehr Aufwand in Bau und Betrieb. Was ein Standardshop mitbringt – Kasse, Steuerlogik, Versandregeln, Kundenkonto –, muss in der Oberfläche neu gebaut oder angebunden werden.

Die Bauweise lohnt sich ab einer gewissen Größe oder wenn mehrere Ausspielkanäle bedient werden. Für einen Shop mit hundert Artikeln und einem Kanal ist ein Standardsystem fast immer die wirtschaftlichere Wahl, und das sagen wir auch so.

Rechtsgrundlagen

Häufige Fragen zu Headless Commerce

Die Pflichtangaben trägt der Händler, nicht das eingekaufte Shop-Backend. § 312i Absatz 1 BGB nennt vier Pflichten im elektronischen Geschäftsverkehr: Eingabefehler erkennbar und korrigierbar machen, über die Angaben aus Artikel 246c EGBGB unterrichten, den Bestelleingang unverzüglich elektronisch bestätigen und die Vertragsbestimmungen speicherbar halten. Artikel 246c EGBGB führt dazu fünf Angaben auf, darunter die technischen Schritte zum Vertragsschluss. Ein Backend ohne eigene Oberfläche zeigt dem Kunden nichts davon.

Barrierefrei sein muss die Oberfläche, die der Verbraucher bedient. § 1 Absatz 3 Nummer 5 BFSG erfasst Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr, und § 2 Nummer 26 BFSG definiert sie als Dienste, die über Webseiten und über Anwendungen auf Mobilgeräten angeboten werden. Nach § 3 Absatz 1 BFSG heißt barrierefrei auffindbar, zugänglich und nutzbar. Ein eingekauftes Shop-Backend erreicht der Kunde nie, seine Barrierefreiheit belegt daher nichts. Werden mehrere Kanäle aus demselben Kern bedient, trägt jeder Kanal die Anforderung einzeln.

Der Kunde bestellt weiter, und der Händler trägt die Folge. Eine getrennte Oberfläche hält Artikeldaten in einem eigenen Stand – als vorab erzeugte Datei oder als Zwischenspeicher – und erfährt eine Abschaltung im Kern erst beim nächsten Abgleich. § 312j Absatz 1 BGB verlangt, Lieferbeschränkungen spätestens bei Beginn des Bestellvorgangs klar und deutlich anzugeben, und diese Angabe entsteht in der Oberfläche. Vor dem ersten Verkaufstag gehört festgelegt, nach welcher Zeitspanne eine Abschaltung dort ankommt.

Ein Headless CMS verwaltet Inhalte – Texte, Bilder, Seitenstrukturen – und gibt sie über eine Schnittstelle heraus. Headless Commerce verwaltet den Verkauf: Artikeldaten, Bestand, Warenkorb, Steuersätze, Versandregeln, Zahlung. Beide trennen die Verwaltung von der Darstellung, nur das zweite führt Geld und Bestand. Ein Headless CMS ersetzt daher kein Shop-Backend; wer damit verkaufen will, baut Kasse, Steuerlogik und Zahlungsanbindung selbst. Häufig laufen beide nebeneinander, mit einer Oberfläche darüber.

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