Webentwicklung

Shopify oder eigener Shop: was zu Ihrem Sortiment passt

Shopify ist schnell gestartet, ein eigener Shop lässt sich beliebig formen — beides hat einen Preis, der selten auf der Tarifseite steht. Eine Entscheidungshilfe entlang von Kosten, Datenschutz, B2B-Funktionen und dem späteren Umzug.

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Redaktionell geprüft von Alexander Seidlertwentyonepixels
Zwei geöffnete Versandkartons nebeneinander auf einer alten Holzwerkbank vor weißer Wand
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Shopify oder eigener Shop: die Frage hinter der Frage

Ob Shopify oder ein eigener Shop besser passt, entscheidet sich an einer einzigen Frage: Wie viel Ihres Verkaufsprozesses ist Standard, und wie viel ist Ihre eigene Logik? Wer Produkte mit festen Preisen an Endkunden verkauft, bekommt mit Shopify in kurzer Zeit einen funktionierenden Shop. Wer Staffelpreise je Kunde, Konfiguratoren oder eine enge Anbindung an die Warenwirtschaft braucht, stößt dort an Grenzen, die nur mit Zusatz-Apps oder einem höheren Tarif zu verschieben sind.

Mit „eigener Shop“ sind hier zwei Wege gemeint: ein selbst betriebenes Shopsystem wie Shopware oder WooCommerce, das Sie auf eigenem Server installieren, und eine Individualentwicklung, bei der der Shop als Anwendung gebaut wird. Beide geben mehr Kontrolle, verlangen aber, dass sich jemand um Betrieb, Updates und Sicherheit kümmert — Arbeit, die Shopify als Mietdienst übernimmt.

Die ehrliche Antwort lautet deshalb nicht „das eine ist besser“, sondern: Shopify verlagert Aufwand vom Betrieb in die Abhängigkeit, der eigene Shop verlagert ihn von der Abhängigkeit in den Betrieb. Welche Seite für Sie günstiger ist, zeigen die folgenden Abschnitte.

Shopify-Kosten: was zur Grundgebühr hinzukommt

Die laufenden Shopify-Kosten bestehen aus drei Teilen: der Tarifgebühr, den Zahlungsgebühren und den Gebühren für Apps. Laut der deutschen Preisseite, abgerufen am 2. Oktober 2026, kostet der Tarif Basic 27 Euro im Monat bei jährlicher und 36 Euro bei monatlicher Zahlung, Grow 79 beziehungsweise 105 Euro, Advanced 289 beziehungsweise 384 Euro. Shopify Plus beginnt bei 2.100 Euro monatlich.

Der Posten, der in Kalkulationen am häufigsten fehlt, ist die Transaktionsgebühr bei externen Zahlungsanbietern. Wer statt Shopify Payments einen anderen Anbieter nutzt — etwa für eine bestimmte Zahlart —, zahlt laut derselben Seite zusätzlich 2 Prozent im Tarif Basic, 1 Prozent in Grow, 0,6 Prozent in Advanced und 0,2 Prozent in Plus. Bei 10.000 Euro Monatsumsatz über einen externen Anbieter im Tarif Basic sind das 200 Euro im Monat, zusätzlich zu den Gebühren des Zahlungsanbieters selbst.

Der dritte Teil sind Apps. Funktionen, die ein deutscher Shop typischerweise braucht — rechtssichere Texte, Cookie-Einwilligung, Rechnungsformate, Bewertungen, Filter —, kommen bei Shopify häufig als Erweiterungen von Drittanbietern mit eigener Monatsgebühr. Diese Posten sind nicht versteckt, aber verteilt: Sie stehen auf den einzelnen App-Seiten, nicht auf der Tarifseite. Eine belastbare Kalkulation zählt sie vor der Entscheidung zusammen.

Shopify vs. Shopware vs. WooCommerce: drei Betriebsmodelle

Shopify, Shopware und WooCommerce unterscheiden sich weniger im Funktionsumfang als im Betriebsmodell. Shopify ist ein Mietdienst: Software, Hosting und Sicherheitsupdates liegen beim Anbieter, der Händler konfiguriert. Shopware und WooCommerce sind Software, die Sie selbst oder ein Dienstleister betreiben — mit allen Freiheiten und allen Pflichten eines eigenen Servers.

Bei Shopware lohnt ein Blick auf die Lizenzbedingungen. Die Community Edition steht weiterhin unter der freien MIT-Lizenz, seit dem 24. März 2025 gilt aber eine Fair-Usage-Regel: Ab einem Jahresumsatz von einer Million Euro über den Shop verlangt der Hersteller einen kostenpflichtigen Tarif, damit Konto und Erweiterungs-Store nutzbar bleiben. Die Software selbst darf weiterbetrieben werden; der Zugang zu den Herstellerdiensten hängt dann am Vertrag.

WooCommerce ist eine Erweiterung für WordPress und erbt deren Stärken und Schwächen: großer Markt an Erweiterungen, niedriger Einstieg, aber ein Pflegeaufwand, der mit jeder Erweiterung wächst. Eine Individualentwicklung schließlich hat kein fertiges Ökosystem, dafür auch keine fremde Grenze — jede Funktion kostet Entwicklungszeit, jede passt dafür genau.

Ist Shopify DSGVO-konform?

Shopify lässt sich datenschutzkonform betreiben, aber die Konformität entsteht durch die Konfiguration des Händlers, nicht durch den Tarif. Vertragspartner für Händler in der EU ist laut Shopifys Auftragsverarbeitungsvertrag die Shopify International Ltd. mit Sitz in Irland. Übermittlungen an andere Konzerngesellschaften außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums stützt Shopify dort auf verbindliche interne Datenschutzvorschriften nach Art. 47 DSGVO, an die kanadische Muttergesellschaft auf den Angemessenheitsbeschluss der EU-Kommission für Kanada.

Ein verbreitetes Missverständnis betrifft das EU-US Data Privacy Framework: In Shopifys Auftragsverarbeitungsvertrag trägt es die Übermittlung nicht. Das ist kein Mangel, sondern ein anderer Weg — wer in seiner Datenschutzerklärung pauschal auf eine Zertifizierung verweist, sollte die Angabe deshalb am Vertrag prüfen, statt sie aus einer Vorlage zu übernehmen.

Die eigentliche Arbeit liegt bei den Apps. Jede installierte Erweiterung kann ein weiterer Auftragsverarbeiter mit eigenem Sitz und eigenen Übermittlungswegen sein, und Verantwortlicher im Sinne der DSGVO bleibt der Händler. Dazu kommt die Einwilligung für Analyse- und Marketing-Dienste. Ein eigener Shop hat dieselben Pflichten — er hat nur weniger fremde Beteiligte, deren Verträge zu prüfen sind.

B2B mit Shopify: was in welchem Tarif geht

Grundlegende B2B-Funktionen bietet Shopify inzwischen in allen Tarifen: Firmenkonten, Kataloge mit eigenen Preisen, Zahlungsziele und Selbstbedienungs-Bestellungen. Die Grenzen liegen im Detail. Außerhalb von Shopify Plus sind laut Hilfecenter höchstens drei aktive B2B-Kataloge über alle B2B-Märkte erlaubt; Kataloge direkt einzelnen Firmen oder Standorten zuzuweisen, geht nur in Plus.

Ebenfalls Plus vorbehalten sind Anzahlungen, Teilzahlungen und Zahlungsanforderungen je Teillieferung. Und wer den Bestellablauf selbst anpassen will, braucht für Erweiterungen im Informations-, Versand- und Zahlungsschritt des Checkouts ebenfalls Plus; in den kleineren Tarifen lassen sich nur Danke- und Bestellstatusseite erweitern.

Für einen Großhändler mit individuellen Preislisten je Kunde heißt das: Die Funktion existiert, aber erst in einem Tarif, dessen Grundgebühr bei 2.100 Euro im Monat beginnt. An dieser Stelle kippt die Rechnung oft zugunsten eines eigenen Systems, das kundenspezifische Preise ohne Tarifgrenze abbildet.

Konfiguratoren, Staffelpreise, Sonderlogik: wann sich ein individueller Onlineshop lohnt

Ein individueller Onlineshop lohnt sich, wenn der Verkaufsprozess selbst das Produkt ist. Typische Fälle sind Produktkonfiguratoren mit Abhängigkeiten zwischen Optionen, Preise, die aus Maßen oder Mengen berechnet werden, Versandregeln für Sperrgut oder Speditionsware und eine Warenwirtschaft, die Bestände und Preise in Echtzeit vorgibt.

In Shopify lassen sich solche Anforderungen teilweise über Apps und die Programmierschnittstellen abbilden. Das Ergebnis ist dann allerdings eine Kombination aus Mietdienst, Fremd-Apps und eigenem Code — drei Stellen, an denen sich etwas ändern kann, ohne dass der Händler es steuert. Je mehr Logik so entsteht, desto weniger trägt das Argument „Shopify nimmt uns den Betrieb ab“.

Die Gegenrechnung gehört dazu: Eine Individualentwicklung kostet einmalig deutlich mehr als ein konfigurierter Mietshop, und sie braucht danach Wartung, Sicherheitsupdates und einen Ansprechpartner. Sie lohnt sich, wenn die Sonderlogik dauerhaft Umsatz trägt — nicht, um ein Standardsortiment etwas eleganter zu verkaufen.

Datenhoheit und Lock-in: was beim Umzug mitkommt

Beim Wechsel weg von Shopify kommen die Daten mit, die Gestaltung und die Erweiterungen nicht. Produkte, Kunden und Bestellungen lassen sich im Shopify-Admin als CSV-Dateien exportieren; CSV mit UTF-8-Kodierung ist laut Hilfecenter das einzige Format für Import und Export. Damit ist der Kern des Geschäfts portabel.

Nicht portabel ist alles, was auf Shopify gebaut wurde: Themes sind in Shopifys eigener Vorlagensprache Liquid geschrieben und laufen anderswo nicht, und jede App muss im neuen System durch eine eigene Lösung ersetzt werden. Hinzu kommt der Umzug der Adressen — jede Produkt- und Kategorie-URL, die sich ändert, braucht eine Weiterleitung, sonst gehen die Suchmaschinen-Positionen verloren.

Lock-in ist deshalb weniger eine Frage der Daten als der Investitionen. Je mehr Gestaltung und Logik in Shopify-spezifischer Form entsteht, desto teurer wird ein späterer Wechsel. Wer heute mit Shopify startet und einen Umzug für möglich hält, sollte Sonderlogik möglichst außerhalb des Themes halten und die eingesetzten Apps dokumentieren.

Wann Shopify die richtige Wahl ist — und wann nicht

Shopify ist die richtige Wahl für einen schnellen Start mit einem Standardsortiment, für kleine Teams ohne eigene Technik und für Händler, die vor allem an Endkunden verkaufen und Shopify Payments nutzen können. In diesem Fall bekommt man viel Funktion für eine überschaubare Monatsgebühr, und der Betrieb ist tatsächlich ausgelagert.

Gegen Shopify sprechen dauerhaft hohe Umsätze über externe Zahlungsanbieter, B2B-Preislogik unterhalb des Plus-Tarifs, tiefe Anbindungen an Warenwirtschaft oder Produktion und ein Checkout, der vom Standard abweichen muss. Ein eigenes System auf Basis von Shopware, WooCommerce oder einer Individualentwicklung ist dann meist die ruhigere Lösung, verlangt aber einen verlässlichen Betrieb.

Die Grenze dieser Einordnung: Keine der Optionen ist dauerhaft „die richtige“. Ein Shop, der mit Shopify startet und nach zwei Jahren an Tarifgrenzen stößt, hat nichts falsch gemacht — er hat schneller verkauft, als ein Eigenbau fertig gewesen wäre. Entscheidend ist, die Kriterien für den Wechsel vorher zu kennen, statt sie erst an der Rechnung zu bemerken.

Rechtsgrundlagen

Häufige Fragen

Shopify lässt sich DSGVO-konform betreiben, die Verantwortung bleibt aber beim Händler. Vertragspartner in der EU ist die Shopify International Ltd. in Irland, die Übermittlungen in Drittländer laut Auftragsverarbeitungsvertrag über verbindliche interne Datenschutzvorschriften und den Angemessenheitsbeschluss für Kanada absichert. Zu prüfen bleiben vor allem die installierten Apps als weitere Auftragsverarbeiter, die Einwilligung für Analyse- und Marketing-Dienste und eine Datenschutzerklärung, die die tatsächlichen Übermittlungswege nennt.

Versteckt sind die Kosten nicht, aber über mehrere Stellen verteilt. Zur Tarifgebühr kommen die Zahlungsgebühren und, wer einen externen Zahlungsanbieter statt Shopify Payments nutzt, eine zusätzliche Transaktionsgebühr von 2 Prozent im Tarif Basic bis 0,2 Prozent in Plus. Dazu kommen Monatsgebühren für Apps, etwa für Rechtstexte, Cookie-Einwilligung, Rechnungen oder Filter. Eine realistische Kalkulation summiert alle drei Posten auf Basis des erwarteten Umsatzes.

Das hängt vom Betriebsmodell ab, das Sie wollen. Shopify ist ein Mietdienst, bei dem Hosting und Updates beim Anbieter liegen; Shopware ist Software, die Sie selbst oder ein Dienstleister betreiben, mit mehr Freiheit bei Logik und Datenhaltung. Shopware bringt viele Funktionen für den deutschen Markt mit, verlangt aber einen verlässlichen Betrieb. Für die freie Community Edition gilt seit März 2025 eine Fair-Usage-Regel mit kostenpflichtigem Tarif ab einer Million Euro Jahresumsatz über den Shop.

Ein individueller Onlineshop lohnt sich, wenn der Verkaufsprozess eigene Logik braucht, die dauerhaft Umsatz trägt. Typische Beispiele sind Produktkonfiguratoren, Preise aus Maßen oder Mengen, kundenspezifische B2B-Preise, besondere Versandregeln und eine enge Anbindung an die Warenwirtschaft. Für ein Standardsortiment an Endkunden ist er meist zu aufwendig, weil Entwicklung, Wartung und Sicherheitsupdates dauerhaft Kosten verursachen.

Ja, die Geschäftsdaten lassen sich mitnehmen, die Gestaltung nicht. Produkte, Kunden und Bestellungen exportiert Shopify als CSV-Dateien. Das Theme ist in Shopifys Vorlagensprache Liquid geschrieben und muss im neuen System neu gebaut werden, ebenso müssen Apps durch eigene Lösungen ersetzt werden. Für die Suchmaschinen-Positionen ist entscheidend, jede geänderte Produkt- und Kategorieadresse per Weiterleitung auf die neue zu führen.