KI & Automatisierung

RPA (Robotic Process Automation)

RPA automatisiert Bürotätigkeiten, indem eine Software die Bedienung nachahmt: Sie öffnet Programme, kopiert Werte, füllt Masken aus. Sie arbeitet über die Oberfläche, nicht über Schnittstellen.

Redaktionell geprüft von Alexander SeidlertwentyonepixelsStand:

Wann das der richtige Weg ist

Wenn ein System keine Schnittstelle hat und auch keine bekommt — alte Branchensoftware, Portale von Geschäftspartnern, Systeme ohne Herstellersupport. Dort ist die Nachahmung der Bedienung oft die einzige Möglichkeit.

Gibt es dagegen eine Schnittstelle, ist sie immer vorzuziehen: Sie ist schneller, zuverlässiger und bricht nicht, wenn sich eine Bildschirmmaske ändert.

Der Wartungsaufwand, der selten eingeplant wird

Jedes Update des gesteuerten Programms kann den Ablauf stoppen. In der Praxis heißt das mehrere Eingriffe pro Jahr, und sie kommen unangekündigt — meist am Morgen nach einem Wartungsfenster.

Rechnen Sie das ein, bevor Sie vergleichen. Ein gerechnetes Beispiel, keine Erhebung: Ein Ablauf, der einmal 3.000 Euro kostet und jährlich zwei Tage Pflege braucht, ist etwas anderes als eine einmalige Investition.

Die eingebaute Zerbrechlichkeit

Ein RPA-Ablauf hängt an der Oberfläche. Verschiebt ein Update einen Knopf, steht die Automatisierung — oft unbemerkt, weil kein Fehler gemeldet wird, sondern schlicht nichts passiert.

Deshalb gehört zu jedem RPA-Vorhaben eine Überwachung, die meldet, wenn ein Ablauf nicht durchläuft. Ohne sie merkt man den Ausfall am Monatsende an der Buchhaltung.

Rechtsgrundlagen

Häufige Fragen zu RPA (Robotic Process Automation)

Als Obergrenze gelten fünf Entscheidungen, fünf Anwendungen und 500 Klicks je Ablauf. Diese Faustregel stammt von einem Analysten des Marktforschers Forrester, und ein Fachlexikon gibt sie in seiner RPA-Definition wieder: Darüber hinaus brechen RPA-Werkzeuge tendenziell zusammen. Es ist eine Analystenfaustregel, keine Messreihe. Wer darüber liegt, zerlegt den Ablauf in mehrere kleine oder verwirft RPA für diesen Anwendungsfall.

Ein RPA-Ablauf gehört auf ein eigenes technisches Konto, nicht auf das Konto eines Beschäftigten. Sonst trägt jede Aktion den Namen eines Menschen, der sie nicht ausgelöst hat, und der Zugang bleibt nach dessen Austritt offen. Der Haken steht in der Hilfe von Microsoft zu unbeaufsichtigten Abläufen: Dieses Konto braucht entweder eine Ausnahme von der Zwei-Faktor-Anmeldung oder eine zertifikatsbasierte Anmeldung. Wer beides nicht genehmigen darf, kann unbeaufsichtigt nicht automatisieren.

Ein Makro läuft innerhalb eines Programms und spricht dessen eigene Objekte an. Ein RPA-Ablauf bedient mehrere Programme von außen, über Fenster, Felder und Klicks. Daraus folgt der Unterschied im Betrieb: Das Makro startet, wenn jemand es startet; der RPA-Ablauf startet nach Zeitplan, auch wenn niemand am Rechner sitzt. Fachlexika führen RPA historisch auf die Makrotechnik der 1980er- und 1990er-Jahre zurück – gewachsen ist nicht die Technik, sondern die Reichweite.

Nach § 145 Absatz 1 Satz 2 der Abgabenordnung müssen sich Geschäftsvorfälle in ihrer Entstehung und Abwicklung verfolgen lassen. Ein Ablauf, der Belege stumm verbucht, verfehlt das. Dazu gehören ein Protokoll je Vorgang, eine erkennbare Urheberschaft und ein Eintrag in der Verfahrensdokumentation nach den GoBD. Ein Randfall ist das nicht: Eine von IBM zitierte Marktuntersuchung verortet 36 Prozent aller RPA-Anwendungsfälle im Finanz- und Rechnungswesen.

Der Sprung von einem auf zwanzig Abläufe scheitert an der Betriebsseite, nicht an der Technik. Eine von IBM zitierte Marktuntersuchung nennt 52 Prozent der Kunden, die ihr RPA-Programm nicht ausweiten können; als fortgeschritten gilt dort erst ein Bestand von 100 aktiven Robotern, und wenige Programme kommen über die ersten zehn hinaus. Wer den zweiten Ablauf plant, plant deshalb zugleich eine Zuständigkeit für Zeitpläne, Konten und Fehlerlisten aller Abläufe.

Mehr zum Thema

9 Min. Lesezeit

CEO-Fraud per WhatsApp: wenn der Chef plötzlich schreibt

Eine WhatsApp vom Konzernchef, ein Anruf mit geklonter Stimme – und eine Privatbank überweist rund 95 Millionen Euro. Woran Sie die Chef-Masche erkennen, warum Deepfake-Erkennung nicht reicht und welcher Freigabeprozess sie zuverlässig stoppt.

9 Min. Lesezeit

Rechnungen automatisch auslesen mit KI: was GoBD-konform ist

KI liest Rechnungen schneller als jeder Mensch – aber sie archiviert nicht, sie prüft nicht, und bei einer echten E-Rechnung ist sie überflüssig. Was je nach Belegart sinnvoll ist und was die GoBD verlangen.

Alle Fachbeiträge ansehen

Passende Leistungen

Workflow-Automatisierung

Wiederkehrende Prozesse automatisieren: E-Mails, CRM-Sync, Rechnungen und mehr — auf Ihrem eigenen Server.

Mehr dazu

KI-Beratung & Strategie

Strategische Beratung für den KI-Einsatz: Use-Case-Analyse, Tool-Auswahl und Implementierungsplanung — AI-Act-konform.

Mehr dazu

API-Integration

CRM, ERP, Payment und Drittanbieter nahtlos vernetzen — stabile Schnittstellen statt manueller Datenübertragung.

Mehr dazu