KI & Automatisierung

Workflow

Ein Workflow ist eine festgelegte Abfolge von Arbeitsschritten mit klaren Übergaben. Automatisiert bedeutet das: Ein Ereignis löst eine Kette aus, die ohne manuelles Zutun bis zum Ergebnis läuft.

Redaktionell geprüft von Alexander SeidlertwentyonepixelsStand:

Woran man einen lohnenden Kandidaten erkennt

Drei Merkmale: Er kommt regelmäßig vor, er läuft nach festen Regeln, und niemand trifft dabei eine Entscheidung. Genau solche Ketten fressen Zeit, ohne dass jemand etwas dazu beiträgt — Daten übertragen, Dokumente ablegen, Benachrichtigungen verschicken.

Umgekehrt gilt: Wo abgewogen wird, gehört ein Mensch hin. Ein automatisierter Ablauf, der Ausnahmen selbst entscheidet, produziert Ausnahmen, die niemand bemerkt.

Woran Sie einen automatisierbaren Ablauf erkennen

An drei Eigenschaften: Er kommt häufig vor, er läuft immer gleich, und die Entscheidungen darin lassen sich als Regel aufschreiben. Fehlt die dritte, ist es kein Ablauf, sondern eine Beurteilung — die lässt sich unterstützen, aber nicht automatisieren.

Vorsicht bei „läuft immer gleich": Das stimmt fast nie beim ersten Hinsehen. Der erste Schritt jedes Automatisierungsvorhabens ist deshalb, die Ausnahmen aufzuschreiben. Ihre Zahl entscheidet über die Machbarkeit.

Warum der Fehlerfall zuerst geklärt wird

Weil er eintritt. Was passiert, wenn die Schnittstelle nicht antwortet, wenn ein Pflichtfeld leer ist, wenn derselbe Vorgang zweimal ausgelöst wird? Ohne Antwort auf diese drei Fragen entsteht ein Ablauf, der im Normalfall Zeit spart und im Ausnahmefall Schaden anrichtet.

Die Standardantworten lauten: Wiederholen mit wachsendem Abstand, an einen Menschen übergeben, und jede Ausführung mit einer Kennung versehen, damit die zweite erkannt wird.

Was in der Praxis schiefgeht

Fast immer der Fehlerfall. Ein Ablauf, der bei einem Problem stillschweigend abbricht, ist schlimmer als Handarbeit — dort merkt wenigstens jemand, dass etwas liegen bleibt.

Ein brauchbarer Ablauf meldet Fehler an eine Person, versucht es bei kurzen Störungen erneut und hält fest, was er getan hat. Diese drei Punkte kosten mehr Zeit als die eigentliche Automatisierung — und entscheiden darüber, ob man ihr trauen kann.

Häufige Fragen zu Workflow

Ein Workflow ist noch nicht beschreibbar, wenn zwei Mitarbeiter, die ihn ausführen, ihn unterschiedlich erklären – andere Reihenfolge, andere Ausnahmen, andere Kriterien für dieselbe Entscheidung. Dann gibt es keinen gemeinsamen Ablauf, sondern zwei private Routinen, die zufällig zum gleichen Ergebnis führen. Der Test dafür ist einfach: Beide Personen den Ablauf getrennt aufschreiben lassen und die Fassungen vergleichen. Weichen sie voneinander ab, braucht es zuerst eine verbindliche Festlegung – kein Automatisierungsprojekt kann diese Klärung ersetzen.

Ein Workflow lässt sich nur übergeben, wenn vier Angaben feststehen: der auslösende Moment, die Reihenfolge der Schritte, die Kriterien für jede Verzweigung und die Stelle, die bei einem nicht vorgesehenen Fall entscheidet. Fehlt eine davon, bleibt der Ablauf an die Erfahrung einer Person gebunden – er lässt sich zeigen, aber nicht zuverlässig wiederholen. Vor einer Automatisierung wiegt das doppelt, weil eine Maschine keine dieser Lücken aus Erfahrung schließt, sondern sie beim ersten unklaren Fall offenlegt.

Zuständig ist die Person, die fachlich für den Ablauf verantwortlich ist – nicht wer ihn zuletzt ausgeführt oder eingerichtet hat. Seit BPMN 2.0 (Dezember 2010, OMG) lassen sich Verzweigungen zwar als Gateway notieren, die Zuständigkeit für den nicht vorgesehenen Fall legt die Notation aber nicht fest. Praktisch braucht jeder Workflow einen benannten Eigentümer, an den solche Fälle automatisch gehen, mit einer Frist für die Rückmeldung. Ohne diese Benennung entscheidet, wer den hängengebliebenen Fall zufällig zuerst bemerkt.

Ein dokumentiertes Workflow-Diagramm beweist nur, dass jemand den Ablauf einmal aufgeschrieben hat – nicht, dass sich die Beteiligten daran halten. Ob ein Workflow tatsächlich befolgt wird, zeigt erst der Abgleich mit den echten Vorgängen: Protokolleinträgen, Zeitstempeln, abgeschlossenen Schritten. Fehlt dieser Abgleich, bleibt die Dokumentation eine Behauptung über die Arbeit, kein Nachweis. Genau darin liegt der Unterschied zur Automatisierung: Eine automatisierte Kette kann den dokumentierten Schritt nicht auslassen, ein Mensch schon.

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