Projekt & Methodik

Prozessautomatisierung

Prozessautomatisierung bedeutet, wiederkehrende Abläufe von Software erledigen zu lassen — vom automatisch versendeten Angebot bis zur Übergabe von Bestelldaten an die Buchhaltung.

Redaktionell geprüft von Alexander SeidlertwentyonepixelsStand:

Womit man anfängt

Mit dem Ablauf, der am häufigsten vorkommt, nicht mit dem ärgerlichsten. Zehn Minuten täglich sind im Jahr mehr als fünf Stunden einmalig — und tägliche Abläufe sind meist besser beschrieben und damit leichter zu automatisieren.

Vorher gehört der Ablauf aufgeschrieben. Ein automatisierter Unsinn ist schneller Unsinn; die Hälfte der Arbeit ist die Klärung, was eigentlich passieren soll.

Womit anfangen, wenn vieles händisch läuft

Mit dem Vorgang, der oft vorkommt und immer gleich abläuft — nicht mit dem, der am meisten nervt. Der nervige Vorgang ist meist der komplizierte, und komplizierte Abläufe zu automatisieren dauert lange und bricht häufig. Der langweilige Routinefall bringt schneller Ruhe.

Eine brauchbare Auswahlfrage: Wie oft im Monat, und wie lange dauert es jedes Mal? Was unter einer Stunde im Monat liegt, lohnt die Einrichtung selten — dort ist die Automatisierung teurer als die Handarbeit, die sie ersetzt.

Warum jeder Ablauf einen Zuständigen braucht

Automatisierte Abläufe fallen leise aus. Ändert ein Anbieter seine Schnittstelle oder läuft ein Zugang ab, passiert einfach nichts mehr — und niemand merkt es, weil ja auch keine Fehlermeldung von Hand entsteht. Deshalb gehört zu jedem Ablauf eine Benachrichtigung bei Ausfall und ein Name, der sie bekommt.

Ohne diesen Namen entsteht binnen eines Jahres eine Sammlung stiller Ausfälle, die niemand mehr überblickt. Das ist der übliche Grund, warum Automatisierungsprojekte als gescheitert gelten, obwohl die Technik funktionierte.

Was falsch läuft, wenn es falsch läuft

Automatisierte Abläufe scheitern still. Ein Mensch, der eine Übergabe vergisst, merkt es spätestens beim Nachfragen; ein Programm, das an einem unerwarteten Wert scheitert, macht einfach nichts weiter.

Deshalb gehört zu jeder Automatisierung eine Meldung bei Fehlschlag und eine Stelle, an der man den Stand ablesen kann. Ohne beides tauscht man Handarbeit gegen unbemerkte Lücken.

Rechtsgrundlagen

Häufige Fragen zu Prozessautomatisierung

Die des Betriebsrats, wo einer besteht. § 87 Absatz 1 Nummer 6 BetrVG stellt technische Einrichtungen unter Mitbestimmung, die zur Überwachung von Verhalten oder Leistung der Arbeitnehmer bestimmt sind. Das Bundesarbeitsgericht hat am 25. April 2017 (1 ABR 46/15) die dauerhafte Erfassung, Speicherung und Auswertung einzelner Arbeitsschritte als schwerwiegenden Eingriff in das Persönlichkeitsrecht eingeordnet und dort sogar den Spruch der Einigungsstelle verworfen, der sie erlauben sollte. Kommt keine Einigung zustande, entscheidet nach Absatz 2 die Einigungsstelle.

Ab mehr als zwanzig wahlberechtigten Arbeitnehmern im Unternehmen – so die Schwelle in § 111 Satz 1 BetrVG. Satz 3 Nummer 5 zählt die Einführung grundlegend neuer Arbeitsmethoden und Fertigungsverfahren zu den Betriebsänderungen. Zwei Bedingungen kommen hinzu: Die Arbeitsweise muss grundlegend neu sein, und es müssen wesentliche Nachteile für erhebliche Teile der Belegschaft möglich sein. Ein einzelner ersetzter Handgriff erfüllt das nicht, die Umstellung einer ganzen Sachbearbeitung schon.

Der Betreiber, nicht der Hersteller des Werkzeugs. Nach außen bleibt das Unternehmen Absender jeder falsch erzeugten Rechnung und jeder falsch verschickten Mahnung, auch wenn der Fehler in fremder Software steckt. Der Rückgriff scheitert regelmäßig an den Geschäftsbedingungen: § 309 Nummer 7 Buchstabe b BGB verbietet nur die Begrenzung der Haftung für grobes Verschulden, einfache Fahrlässigkeit bleibt begrenzbar. Daraus folgt eine Zahl im Ablauf selbst – eine Obergrenze je Lauf, ab der er anhält und meldet.

Ohne Einwilligung oder gesetzliche Grundlage nicht. Artikel 22 Absatz 1 DSGVO schützt vor ausschließlich automatisierten Entscheidungen mit erheblicher Beeinträchtigung; Erwägungsgrund 71 nennt die automatische Ablehnung in einem Online-Einstellungsverfahren ohne jegliches menschliche Eingreifen ausdrücklich als Beispiel. Dazu kommt das Haftungsrisiko aus § 15 AGG: bis zu drei Monatsgehälter Entschädigung, binnen zwei Monaten schriftlich geltend zu machen. Vorsortieren darf der Ablauf, die Absage gehört an einen Menschen.

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