KI & Automatisierung

Agentic AI

Agentic AI bezeichnet KI-Systeme, die ein Ziel eigenständig in Teilschritte zerlegen, dafür Werkzeuge aufrufen und ihr Ergebnis prüfen. Der Unterschied zum Chatbot: Sie antworten nicht nur, sie handeln.

Redaktionell geprüft von Alexander SeidlertwentyonepixelsStand:

Warum der Begriff gerade überall auftaucht

Weil Sprachmodelle inzwischen zuverlässig genug entscheiden können, welches Werkzeug für welchen Schritt passt. Damit verschiebt sich der Einsatz von „Text erzeugen" zu „Aufgabe erledigen" — und das betrifft Abläufe, die bisher Menschen gemacht haben.

Vorsicht ist trotzdem angebracht: Ein System, das handelt, richtet bei einem Fehler mehr an als eines, das nur antwortet. Der Unterschied zwischen einer peinlichen Auskunft und einer falsch verschickten Rechnung.

Wo der Unterschied zu einer Automatisierung liegt

In der Entscheidung über den Weg. Eine Automatisierung führt festgelegte Schritte aus; ein Agent wählt die Schritte selbst und passt sie an das an, was er unterwegs vorfindet. Das macht ihn tauglich für unklare Aufgaben und untauglich für solche, die exakt gleich ablaufen müssen.

Die Faustregel: Wo Sie den Ablauf aufschreiben können, schreiben Sie ihn auf. Ein Agent ist die Antwort auf Aufgaben, deren Ablauf man nicht kennt.

Welche Aktionen niemals selbstständig laufen

Alle mit Außenwirkung und ohne einfachen Rückweg: Bestellungen auslösen, Nachrichten an Kunden senden, Daten löschen, Zahlungen anstoßen. Diese Schritte werden vorgeschlagen und bestätigt, nicht ausgeführt.

Der Grund ist nicht Misstrauen, sondern Fehlerfortpflanzung: Ein falsches Zwischenergebnis wandert durch die restliche Kette und kommt als plausibles Endergebnis heraus. Die Bestätigung ist die Stelle, an der diese Kette bricht.

Was der Einsatz voraussetzt

Eng begrenzte Rechte — ein Agent bekommt die Werkzeuge, die er für seine Aufgabe braucht, nicht Vollzugriff, weil es einfacher wäre. Und ein Protokoll, das jeden Schritt nachvollziehbar macht; sonst lässt sich ein Fehler weder finden noch erklären.

Für Entscheidungen mit rechtlicher oder finanzieller Tragweite gehört ein Mensch dazwischen. Nicht als Formalie, sondern als Freigabe.

Rechtsgrundlagen

  • Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)(öffnet in neuem Tab)Anfechtung §§ 119–122, Bindung an den Antrag § 145, AGB-Recht §§ 305–310, Annahmeverzug § 615 (Ausfallgebühr), Werkvertrag §§ 631 ff., Widerruf §§ 355 ff., Zahlungsdienste §§ 675e Abs. 4, 675u, 675v

Häufige Fragen zu Agentic AI

Haftungsträger ist das Unternehmen, das die Agentic AI einsetzt. Das System ist kein Rechtssubjekt und kann selbst nicht haften; wer eine Leistung schuldet, schuldet sie unabhängig davon, ob ein Mensch oder ein Programm sie erbringt. Der oft genannte § 278 BGB über den Erfüllungsgehilfen trägt diese Begründung allerdings nicht ohne Weiteres — die Vorschrift spricht von Personen, und ob sie auf Software übertragbar ist, ist ungeklärt. Am Ergebnis ändert das nichts, wohl aber am Sorgfaltsmaßstab, den ein Gericht anlegt.

Eine Agentic AI bricht ab, sobald eine festgelegte Höchstzahl an Zwischenschritten oder Werkzeugaufrufen erreicht ist, ohne dass sie dem Ziel näherkommt. Herstellerleitfäden zu Agentenarchitekturen nennen genau dieses Iterationslimit als Stoppbedingung, ergänzt um feste Kontrollpunkte, an denen das System für eine Rückmeldung anhält. Fehlt eine solche Grenze, wandert ein einzelner Fehlversuch unbemerkt in immer neue Zwischenschritte weiter. Der Abbruch ist eine eingebaute Regel, kein Zeichen dafür, dass das System versagt hat.

Produktionsreife zeigt sich nicht an der Qualität einzelner Textantworten, sondern daran, ob jeder Werkzeugaufruf zuvor in einer abgeschotteten Testumgebung mit echten, aber folgenlosen Randbedingungen durchlaufen wurde. Eine Abnahme, die nur Gesprächsverläufe prüft, übersieht die eigentliche Fehlerquelle: die ausgeführte Handlung selbst. Erst der Testlauf gegen die realen Werkzeuge zeigt, ob eine Handlung tatsächlich bewirkt, was die Antwort behauptet.

Der Sicherheitskatalog von OWASP nennt in der Kategorie Excessive Agency drei Ursachen: zu viele angebundene Funktionen, zu weitreichende Berechtigungen auf den angeschlossenen Systemen und fehlende Freigabeprozesse für risikoreiche Schritte. Jede der drei wirkt unabhängig von einer konkreten Fehlfunktion – schon ihr bloßes Vorhandensein vergrößert den Schaden, den eine falsche Entscheidung anrichten kann. Als Gegenmaßnahme nennt die Quelle, Funktionen und Berechtigungen auf das Nötige zu kürzen und riskante Aktionen an eine Freigabe zu binden.

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