Chatbot
Ein Chatbot ist ein Programm, das in einem Chatfenster Fragen beantwortet. Moderne Chatbots nutzen Sprachmodelle und formulieren frei; ältere folgen einem festen Entscheidungsbaum mit vorgegebenen Antworten.
Zwei grundverschiedene Bauarten
Der Unterschied ist wichtig, weil er Aufwand und Ergebnis bestimmt. Ein regelbasierter Chatbot arbeitet mit vorgegebenen Fragen und Antworten. Er ist verlässlich, weil er nichts erfinden kann, wirkt aber schnell hölzern und scheitert an allem, was nicht vorgesehen war.
Ein Chatbot auf Basis eines Sprachmodells formuliert frei und versteht auch ungewöhnlich gestellte Fragen. Der Preis dafür: Er kann überzeugend klingende Falschaussagen produzieren. In der Praxis kombiniert man deshalb beides – das Sprachmodell formuliert, darf seine Inhalte aber ausschließlich aus geprüften Dokumenten beziehen.
Wann sich ein Chatbot rechnet
Die brauchbare Faustregel: Wenn dieselben Fragen immer wieder kommen. Öffnungszeiten, Lieferzeiten, Leistungsumfang, Terminvereinbarung – solche Anfragen binden Arbeitszeit, ohne dass jemand dabei etwas entscheidet. Ein Chatbot nimmt sie ab, auch nachts und am Wochenende.
Nicht sinnvoll ist ein Chatbot dort, wo Beratung wirklich individuell ist oder wo eine falsche Auskunft teuer wird. Ein Bot, der Rechtsauskünfte gibt oder verbindliche Preise nennt, ist ein Risiko und kein Werkzeug.
Womit ein Chatbot im Mittelstand anfängt
Mit den zwanzig Fragen, die tatsächlich gestellt werden. Die stehen im Postfach und im Telefonprotokoll, nicht im Konzept — und sie decken erfahrungsgemäß den größten Teil des Aufkommens ab. Ein Bot, der diese zwanzig sicher beantwortet, ist mehr wert als einer, der alles versucht.
Der zweite Schritt ist die Übergabe: Wie kommt jemand zu einem Menschen, wenn der Bot nicht weiterhilft? Diese Frage entscheidet über die Bewertung des ganzen Angebots.
Was die Einführung an Vorarbeit verlangt
Aufgeräumte Antworten. Wenn drei Mitarbeiter dieselbe Frage unterschiedlich beantworten, muss diese Frage vorher entschieden werden — der Bot kann sie nicht offenlassen. Diese Klärung ist der eigentliche Nutzen und fällt oft schon vor der Technik an.
Dazu die Festlegung, was der Bot nicht beantwortet. Diese Liste ist bei Praxen, Kanzleien und Apotheken keine Stilfrage, sondern berufsrechtliche Voraussetzung.
Kennzeichnungspflicht seit August 2026
Nach Artikel 50 der EU-KI-Verordnung müssen Systeme, die mit Menschen interagieren, als KI erkennbar sein. Für einen Chatbot heißt das: Ein Hinweis muss vorhanden sein, bevor das Gespräch beginnt – nicht versteckt in der Datenschutzerklärung. Die Pflicht gilt seit dem 2. August 2026.
Praktisch ist das kein Aufwand, sondern eine Zeile im Begrüßungstext. Wer sie weglässt, riskiert eine vermeidbare Beanstandung.
Rechtsgrundlagen
- Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung / EU AI Act)(öffnet in neuem Tab)Volltext im Amtsblatt der EU
Häufige Fragen zu Chatbot
Ist eine falsche Auskunft des Chatbots für das Unternehmen verbindlich?
Was passiert mit den Daten, die Besucher in einen Chatbot eingeben?
Woran erkennt man einen Chatbot, der mehr schadet als nutzt?
Chatbot-Kennzeichnung nach Art. 50: Was technisch zu tun ist
Ab dem 2. August 2026 müssen Chatbots sich zu erkennen geben. Die Anforderung ist kürzer, als die Diskussion vermuten lässt — die Umsetzung hat allerdings ein paar Stellen, an denen es schiefgeht.
DSGVO-konforme KI im Unternehmen: Worauf es wirklich ankommt
Der Einsatz von KI scheitert im Mittelstand selten an der Technik, sondern an der Frage, wohin die Daten fließen. Welche Punkte tatsächlich entscheidend sind — und welche überschätzt werden.
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