Marketing & Conversion

Customer Journey

Die Customer Journey beschreibt den gesamten Weg eines Interessenten bis zur Beauftragung — über mehrere Besuche, Kanäle und oft Wochen hinweg. Die Website ist darin nur einer von mehreren Berührungspunkten.

Redaktionell geprüft von Alexander SeidlertwentyonepixelsStand:

Warum der letzte Klick täuscht

Weil die Messung ihm die ganze Leistung zuschreibt. Wer erst über eine Suche kommt, zwei Wochen später über eine Empfehlung wiederkommt und dann anfragt, erscheint in der Statistik als Empfehlung — die Suche fällt unter den Tisch.

Daraus entstehen die falschen Sparbeschlüsse: Der Kanal, der Interesse überhaupt erst weckt, wird gestrichen, weil er nichts „bringt".

Wie lange der Weg bei Dienstleistungen dauert

Bei erklärungsbedürftigen Leistungen liegen zwischen dem ersten Besuch und der Anfrage regelmäßig Wochen und mehrere Besuche. Der erste Kontakt entsteht oft über eine Sachfrage, nicht über das Angebot — jemand sucht eine Erklärung und findet dabei den Anbieter.

Für die Website heißt das: Die Seite, die den Kontakt herstellt, ist selten die Seite, auf der die Anfrage entsteht. Wer nur letztere bewertet, streicht irgendwann die Inhalte, die den Weg überhaupt eröffnet haben.

Was sich davon überhaupt beobachten lässt

Weniger, als die Darstellungen in Vorträgen nahelegen. Ohne Einwilligung und ohne dauerhafte Kennung endet die Beobachtung am Besuch; geräteübergreifende Wege und Gespräche am Telefon tauchen nirgends auf. Eine vollständige Reise lässt sich nicht messen, sondern nur erschließen.

Der praktikable Ersatz ist die Frage im Erstgespräch: Wie sind Sie auf uns gekommen? Zehn ehrliche Antworten sagen über den tatsächlichen Weg mehr aus als jedes Auswertungswerkzeug.

Was die Website leisten muss

Wiedererkennbarkeit und Vollständigkeit. Wer nach zwei Wochen zurückkommt, muss die Seite wiedererkennen und die Antwort auf die Frage finden, mit der er gegangen ist — meist Preis, Ablauf oder Nachweis.

Deshalb sind Referenzen, Preisrahmen und ein beschriebener Ablauf keine Nebenseiten, sondern die Stellen, an denen ein zweiter Besuch zur Anfrage wird.

Rechtsgrundlagen

Häufige Fragen zu Customer Journey

Es reicht nicht beliebig weit zurück: Bei Google Analytics 4 beträgt das längste einstellbare Rückschau-Fenster für ein Zielereignis 90 Tage, wie Google in der eigenen Hilfe angibt – kürzer lässt sich das Fenster wählen, länger nicht. Liegt der erste Besuch einer Customer Journey weiter zurück als diese 90 Tage, bekommt er in der Auswertung keinen Anteil an der späteren Anfrage, selbst wenn er sie tatsächlich ausgelöst hat.

Nicht die Datenschutz-Grundverordnung entscheidet zuerst, sondern § 25 des Telekommunikation-Digitale-Dienste-Datenschutz-Gesetzes: Wer eine Kennung auf dem Endgerät setzt oder ausliest, um denselben Interessenten später auf einem zweiten Gerät wiederzuerkennen, braucht dafür eine Einwilligung – unabhängig davon, ob sich die anschließende Auswertung auch auf ein berechtigtes Interesse stützen ließe. Die Einwilligung muss vor dem Setzen der Kennung eingeholt werden, nicht danach.

Sie verläuft nicht in eine Richtung: Ein Interessent, der schon mehrere Anbieter vergleicht, kann durch eine neue Information – eine schlechte Bewertung auf einem Portal, einen Beitrag in einem Fachforum – wieder auf die Phase zurückfallen, in der er sich erst informiert. Ein lineares Stufenmodell zählt diesen erneuten Besuch als neuen Einstieg, nicht als Rücksprung, und verliert damit die tatsächliche Reihenfolge der Entscheidung.

Eine solche Darstellung blendet die Phase aus, in der sich zeigt, ob aus dem Abschluss eine Weiterempfehlung oder eine Beschwerde wird: Einarbeitung, erster Support-Kontakt, Verlängerung oder Kündigung. Genau diese Phase erzeugt die Bewertungen und Empfehlungen, die für eine andere Person zum ersten Berührungspunkt werden – die Reise eines Kunden endet damit dort, wo die eines anderen Interessenten beginnt.

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