Web & Entwicklung

UX-Design

UX-Design gestaltet die gesamte Nutzungserfahrung eines Produkts: Aufbau, Abläufe, Verständlichkeit. Es geht darum, ob Menschen ihr Ziel erreichen – im Unterschied zum UI-Design, das die sichtbare Oberfläche gestaltet.

Redaktionell geprüft von Alexander SeidlertwentyonepixelsStand:

Der Unterschied zur Optik

Eine Website kann hervorragend aussehen und trotzdem unbrauchbar sein, wenn der Kontaktweg drei Ebenen tief liegt oder ein Formular nach einem Fehler alle Eingaben verwirft. Umgekehrt kann eine schlichte Seite ausgezeichnet funktionieren.

UX-Design fragt deshalb zuerst: Wer kommt hierher, was will die Person, und was steht ihr im Weg? Die Antworten bestimmen Struktur und Abläufe. Die Gestaltung kommt danach – nicht, weil sie unwichtig wäre, sondern weil sie sonst auf der falschen Grundlage aufsetzt.

Was sich ohne Budget verbessern lässt

Drei Dinge: Formularfelder reduzieren, Fehlermeldungen verständlich machen, und die wichtigste Handlung ohne Scrollen erreichbar machen. Alle drei sind Stunden, nicht Wochen, und wirken sofort.

Die Fehlermeldungen sind dabei der unterschätzte Punkt. „Ungültige Eingabe" schickt Menschen weg; „Bitte geben Sie die Nummer ohne Leerzeichen ein" hält sie.

Der Unterschied zur Gestaltung

Gestaltung entscheidet, wie es aussieht; die Nutzungsführung entscheidet, ob jemand ankommt. Eine hübsche Seite mit unklarem Weg ist ein Gestaltungserfolg und ein wirtschaftlicher Misserfolg.

Praktisch verschwimmen beide Rollen im Mittelstand, und das ist in Ordnung. Nicht in Ordnung ist, wenn nur eine der beiden Fragen gestellt wird — meist die nach dem Aussehen.

Was sich mit wenig Aufwand prüfen lässt

Der wirksamste Test kostet nichts: Bitten Sie drei Personen, die Ihr Unternehmen nicht kennen, eine konkrete Aufgabe auf Ihrer Website zu erledigen – ein Angebot anfragen, eine Information finden. Schauen Sie zu und sagen Sie nichts. Was dabei sichtbar wird, findet keine Analyse-Software.

Und ein Punkt, der oft übersehen wird: Barrierefreiheit ist kein Sonderthema, sondern gutes UX-Design. Ausreichende Kontraste, Bedienbarkeit per Tastatur und verständliche Beschriftungen helfen allen – nicht nur denen, die darauf angewiesen sind.

Häufige Fragen zu UX-Design

ISO 9241-210 heißt Ergonomie der Mensch-System-Interaktion, Teil 210: Menschzentrierte Gestaltung interaktiver Systeme, und liegt in der Ausgabe 2019 vor. Ihr Anwendungsbereich nennt Anforderungen und Empfehlungen für Grundsätze und Aktivitäten menschzentrierter Gestaltung über den gesamten Lebenszyklus rechnergestützter interaktiver Systeme. Menschzentrierte Gestaltung ist dort also kein Arbeitsschritt vor der Programmierung, sondern eine Aufgabe, die den Lebenszyklus begleitet. Teil 210 regelt den Prozess; die Begriffe definiert Teil 11 derselben Reihe, Ausgabe 2018.

Eine gemessene Verbesserung gilt zunächst nur für die Gruppe, an der gemessen wurde. ISO 9241-11 bindet Gebrauchstauglichkeit an bestimmte Benutzer, bestimmte Ziele und einen bestimmten Nutzungskontext; erst darin sind die drei Kriterien Effektivität, Effizienz und Zufriedenheit bestimmt. Zum Nutzungskontext gehören Benutzer, Ziele und Aufgaben, Ressourcen und Umgebungen. Ändert sich einer dieser Bestandteile – anderes Gerät, andere Vorkenntnis, andere Umgebung –, ist das frühere Ergebnis nicht widerlegt, aber auch nicht länger belegt.

UX-Design endet nicht mit dem Absenden des Formulars. Die Nutzungserfahrung umfasst die Erwartung vor der Nutzung, die Zufriedenheit während der Nutzung und die Erfüllung dieser Erwartung danach; Gebrauchstauglichkeit betrachtet Zufriedenheit nur während der Nutzung. Eine Antwort, die zwei Wochen braucht, ein zugesagter Rückruf, der ausbleibt, oder eine Lieferung, die nicht zum Bild im Shop passt, verschlechtern die Erfahrung, ohne dass an der Oberfläche ein Fehler steckt. Solche Brüche lassen sich am Bildschirm nicht beheben.

Effektivität wird als Erfolgsquote gerechnet: Zahl der Personen, die ein festgelegtes Ziel erreichen, geteilt durch die Zahl derer, die es versuchen. Gemeint sind Genauigkeit und Vollständigkeit der Zielerreichung, nicht Geschwindigkeit. Erreichen sieben von zwölf Personen das Ziel, ergibt das 58 Prozent. Die Quote deckt nur eines der drei Kriterien der Gebrauchstauglichkeit ab: Über Effizienz und Zufriedenheit sagt sie nichts, und eine Aufgabe kann von allen gelöst und dabei als zäh empfunden werden.

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