Projekt & Methodik

Prototyp

Ein Prototyp ist ein Vorabmodell, das eine Idee erfahrbar macht, ohne fertig zu sein. Er dient dem Ausprobieren und wird danach oft weggeworfen — anders als ein MVP, das in Betrieb geht.

Redaktionell geprüft von Alexander SeidlertwentyonepixelsStand:

Vom Papier bis zum Klickmodell

Die einfachste Form ist eine Skizze. Schon damit lässt sich prüfen, ob eine Struktur verstanden wird. Die nächste Stufe ist ein klickbares Modell, das aussieht wie die spätere Seite, aber nichts speichert.

Der Nutzen liegt im frühen Zeitpunkt: Eine Änderung im Klickmodell kostet Minuten, dieselbe Änderung an der fertigen Anwendung Stunden bis Tage.

Was ein Prototyp beantworten soll

Genau eine Frage, und die wird vorher aufgeschrieben. „Verstehen Nutzer die Navigation?" ist eine Frage; „wie sieht es aus?" ist keine. Ohne diese Festlegung wird aus dem Prototyp eine Vorschau, über die alle eine Meinung haben und aus der niemand etwas lernt.

Danach gehört er weggeworfen. Ein Prototyp, der zur Grundlage der Umsetzung wird, schleppt Abkürzungen mit, die für eine Wegwerfarbeit richtig waren und für ein Produkt falsch sind.

Wie viele Testpersonen es braucht

Fünf finden den größten Teil der groben Hürden — das ist die verbreitete Faustregel und für die Frage „versteht man das" ausreichend. Wer zwanzig Personen befragt, findet kaum mehr Hürden und verbraucht die Zeit, die für die Behebung fehlt.

Für die andere Frage — welche von zwei guten Lösungen ist besser — reichen fünf nicht, und dafür ist ein Prototyp auch das falsche Werkzeug. Diese Frage beantwortet nur ein Test im Betrieb mit echten Zahlen.

Die Falle

Ein Prototyp, der gut aussieht, wird für fertig gehalten — von Auftraggebern und manchmal von Entwicklern. Daraus entsteht der Wunsch, ihn „nur noch fertig zu machen", obwohl darunter nichts ist.

Wir sagen deshalb vorher, was ein Modell kann und was nicht: Es zeigt Aufbau und Ablauf. Es sagt nichts über Ladezeiten, Fehlerfälle oder das Verhalten bei echten Daten.

Rechtsgrundlagen

  • Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)(öffnet in neuem Tab)Anfechtung §§ 119–122, Bindung an den Antrag § 145, AGB-Recht §§ 305–310, Annahmeverzug § 615 (Ausfallgebühr), Werkvertrag §§ 631 ff., Widerruf §§ 355 ff., Zahlungsdienste §§ 675e Abs. 4, 675u, 675v

Häufige Fragen zu Prototyp

Ein Prototyp verengt die Schätzung nur dort, wo er etwas festlegt: bei Seitenzahl, Abläufen und Eingabefeldern. Datenmengen, Schnittstellen und Rechteverwaltung bleiben offen. Barry Boehm hat für die Phase vor der Anforderungsklärung eine Streuung um den Faktor vier in beide Richtungen beschrieben (Software Engineering Economics, 1981). Ein Klickmodell nimmt davon einen Teil weg, nicht die Streuung selbst. Eine verbindliche Zusage über den Gesamtaufwand gehört deshalb hinter die technische Klärung, nicht hinter die Freigabe des Modells.

Dann beschreibt er die vereinbarte Beschaffenheit. § 633 Absatz 2 BGB stellt darauf ab: Das Werk ist frei von Sachmängeln, wenn es die vereinbarte Beschaffenheit hat. Jede spätere Abweichung von dem, was im Modell zu sehen war, lässt sich anschließend als Sachmangel rügen – auch bei Platzhaltertexten, Beispielbildern und Übergängen, die nur eingebaut wurden, damit der Klickweg funktioniert. Wer einen Prototyp als Anlage nimmt, schreibt deshalb dazu, welche Teile ausdrücklich unverbindlich sind.

Der Schnitt durch das System. Ein horizontaler Prototyp zeigt eine einzelne Ebene über viele Seiten hinweg, meist die Oberfläche, ohne dass darunter etwas arbeitet. Ein vertikaler Prototyp – auch Durchstich genannt – setzt einen einzigen Vorgang vollständig durch alle Ebenen um, von der Eingabe bis zur Datenbank. Der horizontale klärt, ob Menschen sich zurechtfinden, der vertikale, ob die Technik trägt. Beides gleichzeitig ist kein Prototyp mehr, sondern ein früher Ausbau.

Nichts Zahlenmäßiges. Bei fünf Testpersonen ist eine Person genau ein Fünftel der Stichprobe, und aus einem gescheiterten Versuch an der Filterleiste wird in der Zusammenfassung schnell die Aussage, zwanzig Prozent scheiterten. Ein Prototyp-Test liefert Befunde, keine Anteile: Er zeigt, dass eine Hürde vorhanden ist, nicht wie oft sie auftritt. Ein Befund gehört deshalb in die Umsetzung, weil er erklärbar ist, nicht weil er mehrfach gezählt wurde.

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