Projekt & Methodik

Sprint

Ein Sprint ist ein fester Zeitabschnitt, meist zwei Wochen, an dessen Ende etwas Vorzeigbares steht. Der Umfang wird an die Zeit angepasst, nicht die Zeit an den Umfang.

Redaktionell geprüft von Alexander SeidlertwentyonepixelsStand:

Warum die Länge fest ist

Weil ein fester Takt vergleichbar macht, wie viel tatsächlich geschafft wird. Nach drei, vier Durchläufen ist die Planung belastbar — nicht weil besser geschätzt wird, sondern weil gemessen statt geschätzt wird.

Wird der Sprint verlängert, um etwas fertig zu bekommen, geht genau diese Messung verloren. Deshalb bleibt die Zeit stehen, und der Rest wandert in den nächsten Durchlauf.

Wie lang ein Sprint sinnvollerweise ist

Zwei Wochen sind der übliche Kompromiss: kurz genug, dass eine Fehleinschätzung nicht lange trägt, lang genug, dass etwas Vorzeigbares entsteht. Eine Woche erzeugt vor allem Termine, vier Wochen nehmen dem Vorgehen seinen Zweck.

Wichtiger als die Länge ist, dass sie gleich bleibt. Wechselnde Zeiträume machen jeden Vergleich unmöglich — und der Vergleich über mehrere Durchläufe ist das Einzige, woraus sich eine belastbare Aussage über das Tempo ableiten lässt.

Warum Umfang im Sprint nicht wächst

Weil sonst die Aussage am Ende wertlos ist. Wenn während des Zeitraums Aufgaben nachgeschoben werden, lässt sich hinterher nicht sagen, ob die Planung zu ehrgeizig war oder die Störung zu groß. Neue Anforderungen landen deshalb im nächsten Durchlauf, nicht im laufenden.

Die Ausnahme ist der Produktionsausfall. Alles andere kann warten — und die Erfahrung ist, dass ein großer Teil dessen, was als dringend gemeldet wird, zwei Wochen später niemandem mehr wichtig ist.

Was am Ende stehen muss

Etwas Benutzbares, nicht ein Zwischenstand. „Die Datenbank ist fertig" ist kein Ergebnis für den Auftraggeber; „Kunden können sich anmelden" ist eines.

Dieser Zuschnitt ist der schwierigste Teil und der Grund, warum die Methode oft nicht wirkt: Wer technisch schneidet statt fachlich, hat nur die Besprechungen übernommen.

Häufige Fragen zu Sprint

Allein der Product Owner. Der Scrum Guide formuliert es ohne Ausnahme: Nur er hat die Befugnis, einen Sprint abzubrechen. Entwickler und Scrum Master dürfen einen Abbruch anraten, nicht beschließen. Zulässiger Grund ist allein, dass das Sprint-Ziel gegenstandslos geworden ist – etwa weil die Anforderung entfällt oder der Markt sich dreht. Ein verfehltes Ziel ist ausdrücklich kein Abbruchgrund. Dann endet der Zeitraum regulär, und die Fehleinschätzung wird in der Retrospektive auseinandergenommen.

Bei zwei Wochen rund zehn Stunden je Teilnehmer. Der Scrum Guide setzt für einen Monatssprint acht Stunden Planung, vier Stunden Review und drei Stunden Retrospektive an und sagt zu kürzeren Sprints nur, sie seien meist kürzer; proportional halbiert sind das 7,5 Stunden. Dazu kommen zehn Arbeitstage mal fünfzehn Minuten Daily, also 2,5 Stunden. Zusammen 10 von 80 Arbeitsstunden, also 12,5 Prozent. Wer diesen Anteil nicht abzieht, plant jeden Durchlauf um mehr als einen Arbeitstag zu voll.

Der Design Sprint dauert fünf Tage, läuft einmalig und endet mit einer Entscheidung, nicht mit benutzbarer Software. Entwickelt wurde er 2010 bei Google Ventures um Jake Knapp; am letzten Tag wird ein Prototyp mit fünf Vertretern der Zielgruppe getestet, die zweite Fassung kommt mit vier Tagen aus. Ein Sprint dagegen wiederholt sich in gleicher Länge und liefert jedes Mal ein Ergebnis, das in Betrieb gehen kann. Verwechselt werden beide dort, wo ein Prototyp als Produktstand gilt.

Nichts – eine Freigabe schuldet der Sprint nicht. Der Scrum Guide hält ausdrücklich fest, dass das Sprint Review nie als Freigabetor zu verstehen ist. Ausgeliefert werden darf früher, später oder mehrfach; der Guide erlaubt ausdrücklich mehrere Zwischenstände innerhalb eines Zeitraums. Schiebt sich die Freigabe allerdings über mehrere Durchläufe hinweg, fehlt die Rückmeldung echter Nutzer. Dann entsteht eine Reihe von Zwischenständen, deren Annahmen niemand geprüft hat.

Ein Sprint trägt keine Zusage über den Gesamtumfang. Gemessen wird das Tempo eines abgeschlossenen Zeitraums; die Hochrechnung auf einen Endtermin bleibt eine Hochrechnung, weil jeder weitere Durchlauf die Annahmen verschiebt. Für einen Vertrag, der Umfang und Termin gleichzeitig festschreibt, reicht das nicht. Tragfähig ist die umgekehrte Bindung: Termin und Budget stehen, die Reihenfolge bestimmt der Auftraggeber, und über die Fortsetzung entscheidet er nach jedem Durchlauf neu.

Nichts. Story Points sind teamintern kalibriert – was eine Gruppe mit fünf bewertet, kann bei der nächsten acht sein, ohne dass eine von beiden falsch schätzt. Ein Vergleich zwischen Teams misst deshalb die Schätzgewohnheit, nicht die Leistung, und wer daran misst, erzeugt Punkteinflation: Die Zahlen steigen, die ausgelieferte Menge bleibt gleich. Aussagekräftig ist allein die eigene Reihe eines Teams über mehrere Sprints, und auch die nur als Spanne.

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