Projekt & Methodik

MVP (Minimum Viable Product)

Ein MVP ist die kleinste Fassung eines Produkts, die schon echten Nutzen stiftet und deshalb belastbares Feedback liefert. Der Zweck ist Lernen, nicht Sparen — es geht darum, eine Annahme früh zu prüfen.

Redaktionell geprüft von Alexander SeidlertwentyonepixelsStand:

Das häufigste Missverständnis

Ein MVP ist kein halbfertiges Produkt. „Wir lassen erst mal die Hälfte weg" führt zu etwas, das niemand benutzt — und damit auch zu keiner Erkenntnis. Die Frage ist nicht, was man weglassen kann, sondern welche einzelne Annahme geprüft werden soll.

Ein Beispiel: Wenn die Annahme lautet „Kunden buchen Termine lieber online", braucht der erste Wurf eine funktionierende Buchung — aber keine Zahlungsabwicklung, kein Kundenkonto, keine Verwaltungsoberfläche.

Wie klein ein erster Wurf sein darf

So klein, dass die zu prüfende Annahme gerade noch prüfbar ist. Wenn die Annahme lautet „Betriebe würden Termine online buchen", braucht es Buchung und Bestätigung — nicht Zahlung, nicht Stornierung, nicht Mehrsprachigkeit. Jede weitere Funktion verschiebt den Zeitpunkt, an dem Sie es wissen.

Der Härtetest für den Zuschnitt: Was passiert, wenn die Annahme falsch ist? Alles, was Sie dann wegwerfen würden, gehört nicht in den ersten Wurf.

Was danach zwingend geklärt gehört

Ob weitergebaut oder abgeräumt wird — und zwar an einer vorher benannten Zahl. Ohne dieses Kriterium wird jeder Ausgang als Teilerfolg gedeutet, und aus dem Versuch wird ein Produkt, das nie jemand wollte.

Wird weitergebaut, gehört die technische Abkürzung auf den Tisch: Was wurde bewusst vereinfacht, und was kostet es, das nachzuholen? Diese Liste entsteht während der Umsetzung oder nie.

Was danach passieren muss

Auswerten und entscheiden. Ein MVP, das gebaut wird und dann einfach weiterwächst, war nur ein Projektstart mit anderem Namen. Der Wert entsteht aus der Bereitschaft, nach der Messung auch aufzuhören oder umzusteuern.

Ehrlich dazu: Bei vielen Aufträgen ist die Annahme längst geprüft — dann braucht es kein MVP, sondern eine saubere Umsetzung.

Rechtsgrundlagen

Häufige Fragen zu MVP (Minimum Viable Product)

Ein MVP beginnt dort, wo fremde Menschen das Produkt aus eigenem Antrieb benutzen; ein Prototyp wird vorgeführt. Der Unterschied liegt nicht im Umfang, sondern im Adressaten. Deutsche Anbieter staffeln den Aufwand entsprechend: Machbarkeitsnachweis 2.000 bis 10.000 Euro, Prototyp 5.000 bis 20.000 Euro, MVP ab 25.000 Euro – Selbstauskünfte ohne Messverfahren, keine erhobenen Marktwerte. Ein Prototyp beantwortet, ob etwas baubar ist. Ein MVP beantwortet, ob es jemand verwendet.

Deutsche Anbieter nennen für ein MVP 6 bis 12 Wochen als üblichen Rahmen und 6 bis 16 Wochen als breiteren Korridor; jede zusätzliche Funktion verlängert dort um rund 3 Wochen. Das sind Selbstauskünfte ohne Messverfahren. Der Zweck kippt ohnehin nicht an einem Stichtag, sondern sobald der erste Wurf länger braucht als der Markt stillhält. Wer neun Monate baut, hat kein MVP gebaut, sondern ein Produkt ohne Rückmeldung – mit demselben Risiko wie vorher.

Ja, sobald das MVP öffentlich erreichbar ist. Impressum nach § 5 DDG, Datenschutzerklärung und Einwilligung für nicht notwendige Cookies hängen an der Erreichbarkeit, nicht am Fertigstellungsgrad. Beim Barrierefreiheitsstärkungsgesetz gibt es eine Ausnahme: § 3 Absatz 3 nimmt Kleinstunternehmen bei Dienstleistungen aus, definiert in § 2 Nummer 17 als weniger als zehn Beschäftigte und höchstens 2 Millionen Euro Umsatz oder Bilanzsumme. Für Produkte gilt die Ausnahme nicht.

Anbieter empfehlen für den Start eines MVP 100 bis 500 Nutzer und mindestens 15 Nutzerinterviews. Die Menge allein trägt jedoch nicht: Es zählen nur Personen, die das MVP aus eigenem Antrieb aufgerufen haben. Rückmeldungen von Bekannten, Beiräten und dem eigenen Vertrieb bestätigen fast immer, weil niemand dem Auftraggeber widerspricht. Ein Abbruch mitten im Ablauf wiegt schwerer als eine freundliche Zustimmung im Gespräch.

Nein. Ein MVP belegt Nutzung, nicht Zahlungsbereitschaft – das sind zwei verschiedene Annahmen, und beim Start mit einer freien Fassung wird nur die erste geprüft. Wer wissen will, ob gezahlt wird, muss die Zahlung Teil des ersten Wurfs machen, auch wenn dahinter zunächst eine von Hand geschriebene Rechnung steht. Ein MVP ist ein Zwischenschritt; die Tragfähigkeit des Geschäftsmodells folgt ihm erst nach.

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