Projekt & Methodik

Agile Arbeitsweise

Agil bezeichnet eine Arbeitsweise, die auf kurze Rückkopplung setzt: früh etwas Benutzbares liefern, daraus lernen, den Plan anpassen. Der Gegenentwurf ist das Vorgehen, das den vollständigen Plan vorab festlegt.

Redaktionell geprüft von Alexander SeidlertwentyonepixelsStand:

Was dahintersteckt

Die Einsicht, dass man zu Projektbeginn am wenigsten weiß. Ein Plan, der alle Details vorab festlegt, ist zu dem Zeitpunkt entstanden, an dem das Wissen am geringsten war — und wird trotzdem monatelang verteidigt.

Agil heißt nicht planlos. Es heißt, in kürzeren Abständen zu planen und die Zwischenergebnisse ernst zu nehmen.

Was agiles Arbeiten vom Auftraggeber verlangt

Erreichbarkeit. Kurze Zyklen funktionieren nur, wenn am Ende jedes Zyklus jemand hinschaut und entscheidet — sonst laufen die Zyklen leer und das Vorhaben wird langsamer als ein klassisch geplantes. Rechnen Sie mit einem festen Termin alle ein bis zwei Wochen.

Zweitens die Bereitschaft, Reihenfolge zu ändern. Wenn nach dem dritten Zyklus feststeht, dass eine geplante Funktion weniger bringt als gedacht, ist das ein Erfolg des Vorgehens und kein Planungsfehler. Wer darauf mit Nachverhandlung reagiert, bekommt faktisch ein Wasserfallprojekt mit mehr Terminen.

Wann klassische Planung die bessere Wahl ist

Wenn der Umfang wirklich feststeht und sich nicht ändern darf — bei einer Ablösung mit fester Abschaltfrist etwa, oder bei einer Ausschreibung mit fixiertem Leistungsverzeichnis. Dort ist Flexibilität kein Vorteil, sondern ein Risiko.

Der ehrliche Zwischenweg ist der häufigste: fester Rahmen und fester Preis, agile Reihenfolge innerhalb dieses Rahmens. Das nennt sich selten so, funktioniert aber im Mittelstand am zuverlässigsten.

Der ehrliche Haken

Ein fester Preis für einen offenen Umfang geht nicht. Wer beides will, bekommt entweder Aufschläge für das Risiko oder Streit am Ende. Üblich sind deshalb entweder ein fester Umfang zum Festpreis oder eine offene Zusammenarbeit nach Aufwand.

Für Website-Projekte mit klarem Umfang arbeiten wir mit Festpreis und kurzen Abstimmungsschleifen — die Vorteile ohne die Vertragsdiskussion.

Häufige Fragen zu Agile Arbeitsweise

Agiles Arbeiten ist eine Haltung, Scrum ein Regelwerk. Das Agile Manifest von 2001 nennt vier Wertepaare und zwölf Prinzipien, schreibt aber keine Rolle, keinen Termin und kein Dokument vor. Der Scrum Guide vom November 2020 legt drei Verantwortlichkeiten, fünf Termine und drei Artefakte fest und begrenzt einen Sprint auf höchstens einen Monat. Wer Scrum sauber betreibt, arbeitet damit agil. Umgekehrt gilt das nicht: Agiles Arbeiten ohne eine einzige Scrum-Rolle ist möglich und verbreitet.

Nein. Die breiteste Erhebung dazu kam zum Gegenteil: Für eine im Juni 2024 veröffentlichte Untersuchung wurden 600 Softwareingenieure befragt, 250 in Großbritannien und 350 in den USA. 65 Prozent der Vorhaben mit agiler Anforderungsarbeit verfehlten Termin, Budget oder Qualität – eine um 268 Prozent höhere Ausfallquote als bei anderen Vorgehensweisen. Die Erhebung zählt allerdings jedes Vorhaben als agil, das ohne geklärte Anforderungen beginnt, und beruht auf Selbstauskunft.

Nein. Das Agile Manifest gewichtet funktionierende Software höher als umfassende Dokumentation, hält im selben Absatz aber fest, dass die Werte auf der rechten Seite wichtig bleiben. Gemeint ist weniger Papier, nicht keines. Schriftlich gehören auch in kurzen Zyklen: getroffene Entscheidungen samt Begründung, Zugänge, Schnittstellen und Abhängigkeiten zu fremden Diensten. Fehlt dieser Kern, weiß nach einem Personalwechsel niemand mehr, warum eine Einstellung so gesetzt ist.

An zwei Proben. Erstens: Am Ende eines Zyklus existiert etwas, das ein Nutzer bedienen könnte. Das siebte der zwölf Prinzipien des Agilen Manifests nennt funktionierende Software das wichtigste Fortschrittsmaß; wo stattdessen Fertigstellungsgrade in Prozent gemeldet werden, ist der Zyklus ein Berichtstermin. Zweitens: Nach dem Rückblick ändert sich etwas Benennbares. Taucht derselbe Hinderungsgrund in Folge auf und bleibt die Arbeitsweise gleich, fehlt das zwölfte Prinzip und damit die Rückkopplung.

Teilweise. Der Rahmen überträgt sich – kurze Zyklen, Rückblick, geänderte Reihenfolge –, der Maßstab nicht. Das Agile Manifest trägt im Titel „Manifest für agile Softwareentwicklung“, und seine Prinzipien eins, drei und sieben messen Fortschritt ausdrücklich an lieferbarer Software. Außerhalb der Entwicklung muss jede Abteilung diesen Maßstab selbst bestimmen: Was ist am Ende des Zyklus fertig, und wer kann es benutzen? Fehlt diese Festlegung, bleiben die Termine übrig und die Rückkopplung fällt weg.

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