KI & Automatisierung

Machine Learning

Machine Learning ist ein Teilgebiet der künstlichen Intelligenz, bei dem ein System Regeln aus Beispieldaten ableitet, statt sie einprogrammiert zu bekommen. Aus vielen Beispielen entsteht ein Modell, das auch neue Fälle einordnen kann.

Redaktionell geprüft von Alexander SeidlertwentyonepixelsStand:

Der Unterschied zu normaler Software

Klassische Software folgt Regeln, die jemand geschrieben hat: Wenn dies, dann das. Beim maschinellen Lernen zeigt man dem System stattdessen tausende Beispiele mit bekanntem Ergebnis, und es leitet die Regel selbst ab.

Das ist immer dann überlegen, wenn sich die Regel schwer aufschreiben lässt – Handschrift erkennen, Betrugsmuster finden, Nachfrage vorhersagen. Es ist unterlegen, wenn die Regel klar ist: Für die Mehrwertsteuerberechnung braucht niemand ein Modell.

Welche Aufgaben sich dafür eignen

Solche mit vielen Beispielen und einem klaren Richtig-oder-falsch. Betrugserkennung, Absatzprognose, Sortierung von Anfragen — überall dort, wo Sie tausende vergangene Fälle mit bekanntem Ausgang haben, ist der Ansatz stark.

Untauglich ist er, wo es wenige Fälle gibt oder wo „richtig" Auslegungssache ist. Dort liefert er Zahlen, die Objektivität vortäuschen, und das ist schlechter als eine offen als Einschätzung gekennzeichnete Entscheidung.

Warum ein Modell nach dem Start schlechter wird

Weil die Wirklichkeit sich verschiebt. Kundenverhalten, Sortiment und Wettbewerb ändern sich, und ein Modell auf Daten von vor zwei Jahren beschreibt zunehmend eine Welt, die es nicht mehr gibt. Der Effekt ist schleichend und fällt ohne Messung nicht auf.

Deshalb gehört zu jedem produktiven Modell eine regelmäßige Nachmessung an frischen Fällen — und ein Schwellenwert, ab dem neu trainiert wird. Ohne diesen Wert wird es nie gemacht.

Was Sie brauchen, bevor Sie anfangen

Daten in ausreichender Menge und Qualität, und zwar mit bekanntem Ergebnis. Das ist die häufigste Stelle, an der Vorhaben scheitern: Die Daten existieren, sind aber unvollständig, uneinheitlich erfasst oder über fünf Systeme verteilt.

Zweitens eine ehrliche Frage nach dem Nutzen. Ein Modell, das zu 85 Prozent richtig liegt, ist beeindruckend – aber nur brauchbar, wenn die restlichen 15 Prozent verkraftbar sind. Bei der Sortierung von Anfragen ja, bei der Freigabe von Zahlungen nicht.

Häufige Fragen zu Machine Learning

Ein Modell, das mit seinen eigenen Trainingsdaten geprüft wird, hat die richtigen Antworten längst auswendig gelernt statt eine Regel abgeleitet, die auf neue Fälle passt – die Prüfung sieht dann makellos aus und sagt trotzdem nichts über ungesehene Fälle. Deshalb teilt man die Datenmenge vor dem Training auf: Googles Machine-Learning-Kurs nennt als Beispiel siebzig Prozent Trainings-, fünfzehn Prozent Validierungs- und fünfzehn Prozent Testdaten. Nur die Leistung auf dem zurückgehaltenen Testanteil zeigt, ob eine übertragbare Regel gefunden wurde.

Daran, dass die Güte auf den Trainingsdaten weiter steigt, während die Güte auf zurückgehaltenen Daten wieder schlechter wird – Googles Machine-Learning-Kurs beschreibt dieses Auseinanderlaufen der beiden Verlustkurven als Kennzeichen von Überanpassung. Das Modell hat einzelne Trainingsbeispiele auswendig gelernt statt eine allgemeine Regel gefunden, oft weil es für die vorhandene Datenmenge zu komplex gebaut ist. Ein überangepasstes Modell leistet deshalb genau das nicht, wofür es gebaut wurde: Es verallgemeinert nicht.

Weil ein Modell, das immer die häufigere Klasse vorhersagt, allein durch die Verteilung der Daten hohe Werte erreicht, ohne die seltenen Fälle je zu erkennen. Kommt die gesuchte Eigenschaft nur bei einem Prozent der Fälle vor, erzielt ein Modell, das durchgehend die übrigen 99 Prozent vorhersagt, rechnerisch 99 Prozent Trefferquote – und erkennt dabei keinen einzigen echten Fall. Genau dieses Beispiel nennt Googles Machine-Learning-Kurs für stark unausgeglichene Datensätze.

Nein: Ein Modell übernimmt die statistischen Muster der Daten, die es bekommt, und gleicht historische Verzerrungen darin nicht von selbst aus. Googles Machine-Learning-Kurs beschreibt das am Beispiel von Kreditvergabedaten aus den 1960er-Jahren: Ein darauf trainiertes Modell würde die damalige, diskriminierende Praxis unverändert fortschreiben, weil es sie als normales Muster gelernt hat. Wer solche Verzerrungen ausgleichen will, muss die Daten vor dem Training prüfen und bereinigen.

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