Web & Entwicklung

Dashboard

Ein Dashboard ist eine Übersichtsseite, die die wichtigsten Kennzahlen eines Systems auf einen Blick zeigt. Gut gemacht beantwortet es eine Frage in Sekunden; schlecht gemacht zeigt es alles und sagt nichts.

Redaktionell geprüft von Alexander SeidlertwentyonepixelsStand:

Der häufigste Fehler

Zu viel. Ein Dashboard mit zwanzig Kacheln wird nach zwei Wochen nicht mehr geöffnet, weil niemand weiß, wo er hinschauen soll. Nützliche Dashboards beantworten drei bis fünf Fragen, und zwar die, nach denen tatsächlich gefragt wird.

Der beste Test vor dem Bau: Welche Frage stellt sich jemand montags früh? Genau die gehört nach oben — nicht die Kennzahl, die technisch am einfachsten zu beschaffen ist.

Wie viele Kacheln ein Bildschirm verträgt

Fünf bis sieben, wenn er benutzt werden soll. Alles darüber wird überflogen, und dann fällt auch die eine Zahl nicht mehr auf, die sich verändert hat. Ein zweites Blatt für Details ist besser als eine volle erste Seite.

Die brauchbare Auswahl entsteht rückwärts: Welche Entscheidung soll diese Ansicht stützen? Was diese Frage nicht beantwortet, gehört auf ein anderes Blatt.

Warum Vergleichswerte wichtiger sind als Zahlen

Weil „247 Anfragen" nichts bedeutet. Erst „247, im Vormonat 198" macht daraus eine Information. Jede Kachel ohne Bezugsgröße erzeugt eine Rückfrage, und Rückfragen sind der Grund, warum Ansichten nicht benutzt werden.

Dasselbe gilt für Zielwerte: Eine Zahl mit hinterlegtem Ziel liest sich in einer Sekunde, eine ohne braucht Interpretation.

Woher die Zahlen kommen

Ein Dashboard rechnet selten selbst. Es holt Daten aus Systemen, die sie ohnehin führen — Warenwirtschaft, Zeiterfassung, Analyse-Werkzeug. Der Aufwand steckt deshalb fast immer in den Schnittstellen, nicht in der Darstellung.

Wichtig ist der Zeitbezug: Steht dort ein Live-Wert oder der von heute Nacht? Wer das nicht dazuschreibt, erzeugt Diskussionen über Zahlen statt über Sachverhalte.

Rechtsgrundlagen

Häufige Fragen zu Dashboard

Ein Dashboard beantwortet die Frage „wie steht es gerade“, ein Bericht die Frage „warum“. Das Dashboard zeigt wenige aktuelle Werte, wird selbst aufgerufen und bleibt ohne Deutung; der Bericht ist datiert, erklärt Abweichungen in Sätzen und lässt sich archivieren. Die Entscheidungsregel: Muss das Ergebnis später nachweisbar sein – gegenüber Bank, Wirtschaftsprüfer oder Gesellschafter –, braucht es einen Bericht, denn ein Dashboard zeigt immer nur den Stand des Aufrufs und überschreibt den vorherigen.

Länger als zehn Sekunden, und die Ansicht wird umgangen. Jakob Nielsen nennt drei Grenzen für Antwortzeiten interaktiver Systeme, veröffentlicht 1993: 0,1 Sekunden wirken unmittelbar, bis 1 Sekunde bleibt der Gedankengang ungestört, ab 10 Sekunden wandert die Aufmerksamkeit ab. Ein Dashboard reißt diese Marke, sobald jede Kachel beim Aufruf über Rohdaten rechnet. Tragfähig ist die Umkehrung: vorberechnete Werte für die Übersicht, die teure Abfrage erst hinter einem Klick.

Sobald das Dashboard Verhalten oder Leistung einzelner Beschäftigter sichtbar macht. § 87 Absatz 1 Nummer 6 BetrVG stellt die Einführung technischer Einrichtungen unter Mitbestimmung, die „dazu bestimmt sind, das Verhalten oder die Leistung der Arbeitnehmer zu überwachen“. Eine Kachel mit abgeschlossenen Aufträgen pro Person fällt darunter, dieselbe Zahl als Summe der Abteilung nicht. Ohne Betriebsrat im Betrieb entfällt die Mitbestimmungspflicht, die Datenschutzpflichten bleiben.

Werte allein über Farben zu unterscheiden, schließt etwa jeden zwölften Mann aus: Rund 8 Prozent der Männer und eine von 200 Frauen sind farbfehlsichtig. WCAG 2.2 verbietet das in Erfolgskriterium 1.4.1 bereits auf der niedrigsten Stufe A – Farbe darf nicht das einzige Mittel sein. Praktisch heißt das: Die Ampelkachel braucht zusätzlich ein Zeichen oder die Zahl selbst. Ein roter Punkt ohne Beschriftung ist für einen Teil der Betrachter ein grauer Punkt.

Ein Durchschnitt verbirgt die Verteilung. Drei Anfragen, in 1, 1 und 28 Minuten beantwortet, ergeben glatte 10 Minuten Mittelwert – der eine Fall, über den sich jemand beschwert hat, verschwindet darin. Brauchbar ist der Wert deshalb nur mit der Spanne daneben oder als 95. Perzentil: 95 von 100 Fällen lagen darunter. Das gilt für jede Kachel, die über Zeit, Dauer oder Wartezeit berichtet; bei Summen und Beständen macht ein Mittelwert ohnehin keine Aussage.

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