KI & Automatisierung

Vibe Coding

Vibe Coding bezeichnet das Entwickeln von Software, bei dem man einer KI in Alltagssprache beschreibt, was entstehen soll, und den erzeugten Code weitgehend ungeprüft übernimmt. Der Begriff stammt von Andrej Karpathy und war ursprünglich halb ironisch gemeint.

Redaktionell geprüft von Alexander SeidlertwentyonepixelsStand:

Woher der Begriff kommt

Andrej Karpathy, ein bekannter KI-Forscher, beschrieb Anfang 2025 eine Arbeitsweise, bei der er sich „ganz dem Vibe hingibt" – der KI sagt, was er will, das Ergebnis übernimmt und Fehler einfach zurückmeldet, statt den Code zu lesen. Für Wegwerf-Projekte an einem Wochenende funktioniert das erstaunlich gut.

Der Begriff hat sich verselbstständigt und wird heute oft für jede KI-gestützte Entwicklung verwendet. Das verwischt einen wichtigen Unterschied: KI als Werkzeug zu nutzen und den Code zu prüfen ist etwas anderes, als Code zu übernehmen, den niemand gelesen hat.

Wofür der Ansatz tatsächlich taugt

Für Wegwerfarbeit: eine schnelle Auswertung, ein Prototyp für eine Präsentation, ein Skript, das einmal läuft. Dort ist Tempo alles und Wartbarkeit egal — und genau dafür ist die Arbeitsweise stark.

Untauglich wird sie in dem Moment, in dem jemand das Ergebnis weiterbetreiben soll. Code, den niemand vollständig gelesen hat, lässt sich nicht verantworten, und die Frage nach der Verantwortung kommt spätestens beim ersten Datenschutzvorfall.

Was beim Übergang in den Betrieb nachzuholen ist

Drei Dinge: die vollständige Durchsicht durch einen Menschen, Tests für die Stellen mit Regeln, und eine Prüfung der Abhängigkeiten. Der letzte Punkt wird am häufigsten übersehen — generierter Code schlägt gern Pakete vor, die es nicht gibt oder die jemand unter dem erfundenen Namen registriert hat.

Wer diese drei Punkte überspringt, hat kein schnelles Projekt, sondern ein unbekanntes. Der Zeitgewinn verschiebt sich dann in die erste Störung.

Wo die Grenze verläuft

Für einen Prototyp, ein internes Hilfsmittel oder einen Test ist die Arbeitsweise legitim und spart viel Zeit. Kritisch wird es, sobald echte Kundendaten, Zahlungen oder rechtliche Pflichten im Spiel sind.

Der Grund ist nicht, dass KI schlechten Code schreibt – der ist oft ordentlich. Das Problem ist, dass niemand die Fehler kennt, die drin sind: eine Rechteprüfung, die an einer Stelle fehlt, ein Formular ohne Absicherung gegen Einschleusung, eine Datenbankabfrage, die bei tausend Datensätzen zusammenbricht. Solche Fehler fallen nicht beim Ausprobieren auf, sondern im Betrieb – und dann sind sie teuer.

Unsere Haltung dazu: KI beschleunigt die Arbeit erheblich, ersetzt aber nicht die Prüfung. Was in ein Produktivsystem geht, wird gelesen, getestet und verantwortet – von einem Menschen mit Namen.

Häufige Fragen zu Vibe Coding

Karpathy nannte Vibe Coding in seinem Ausgangsbeitrag vom 6. Februar 2025 auf der Plattform X wörtlich „not really coding“ – auf Deutsch: nicht wirklich Programmieren. Er beschrieb darin, wie er per Spracheingabe Änderungen anfordert, jeden Vorschlag ungelesen übernimmt, Fehlermeldungen ohne weitere Erklärung zurückkopiert und Fehler eher umgeht als behebt, bis der Code sein eigenes Verständnis übersteigt. Diese Selbsteinschätzung des Prägers ist der Grund, warum die Arbeitsweise einen eigenen Namen trägt statt als gewöhnliche KI-Unterstützung zu gelten.

Nicht zuverlässig, wie eine Studie mit 16 erfahrenen Open-Source-Entwicklern zeigt: Sie erwarteten vorab, mit KI-Unterstützung 24 Prozent schneller zu sein, brauchten tatsächlich aber 19 Prozent länger – und hielten sich hinterher trotzdem für 20 Prozent schneller als ohne KI. Diese Entwickler haben ihre Vorschläge noch gelesen und eingereicht; bei Vibe Coding entfällt genau diese Prüfung, also auch das einzige Korrektiv, das den Irrtum hätte auffallen lassen können. Quelle: METR, veröffentlicht am 10. Juli 2025.

Eher nicht: Eine 2023 auf der ACM-Sicherheitskonferenz CCS vorgestellte Studie verglich Programmierende mit und ohne KI-Assistenten und stellte fest, dass die KI-unterstützte Gruppe deutlich mehr Sicherheitslücken hinterließ, ihren Code dabei aber für sicherer hielt als die Vergleichsgruppe den eigenen. Diese Selbstüberschätzung trifft Vibe Coding besonders hart, weil dort niemand den Code liest, der die Fehleinschätzung korrigieren könnte. Nur eine unabhängige Prüfung zeigt den tatsächlichen Stand.

Mehr zum Thema

9 Min. Lesezeit

WhatsApp-Kopplungscode-Betrug: was Firmen jetzt tun sollten

Eine harmlose Bitte um eine Stimme, ein achtstelliger Code – und ein fremdes Gerät liest jeden Chat mit. Wie die Masche funktioniert, woran Sie ein gekapertes Konto erkennen und was ein Betrieb mit Diensthandys und WhatsApp Business jetzt regeln sollte.

9 Min. Lesezeit

Produkthaftung für Software ab Dezember 2026: wer haftet

Ab dem 9. Dezember 2026 gilt Software ausdrücklich als Produkt – samt Updates, SaaS und KI. Wer bei einer Auftragsentwicklung haftet, warum fehlende Sicherheitsupdates zum Produktfehler werden und weshalb reine B2B-Schäden meist gar nicht erfasst sind.

Alle Fachbeiträge ansehen

Passende Leistungen

Sicherheitsaudit & Code Review

Sicherheitsanalyse nach OWASP Top 10: Penetration Testing, Code Review und Behebung von Schwachstellen.

Mehr dazu

KI-Schulung für Mitarbeiter

Ihr Team lernt, KI im Arbeitsalltag sinnvoll einzusetzen und ihre Grenzen zu erkennen. Mit Teilnahmenachweis für Ihre Unterlagen.

Mehr dazu