Penetrationstest
Bei einem Penetrationstest greift ein Fachmann ein System kontrolliert an, um Schwachstellen zu finden, bevor jemand anderes es tut. Anders als ein automatischer Scan verbindet er Einzelbefunde zu einem echten Angriffsweg.
Der Unterschied zum Schwachstellen-Scan
Ein Scanner listet bekannte Lücken auf — nützlich, aber oberflächlich, und mit vielen Fehlalarmen. Ein Test prüft, ob sich eine Lücke tatsächlich ausnutzen lässt und wie weit ein Angreifer damit kommt.
Der Unterschied schlägt sich im Preis nieder: Ein Scan kostet dreistellig, ein Test vierstellig aufwärts. Für eine gewöhnliche Firmenwebsite ist der Scan plus saubere Aktualisierungen meist die richtige Wahl.
Was Sie vorher festlegen müssen
Den Umfang und die Tiefe. Ein Test gegen die Website ist etwas anderes als einer gegen das Firmennetz, und ein Test mit Zugangsdaten findet anderes als einer ohne. Ohne diese Festlegung bekommen Sie einen Bericht, der eine andere Frage beantwortet als die gestellte.
Dazu gehört eine schriftliche Beauftragung mit Zeitfenster. Ohne sie bewegt sich der Prüfer im strafbaren Bereich — das ist kein Formalismus, sondern Voraussetzung.
Was mit dem Bericht passieren muss
Er wird abgearbeitet und nachgeprüft. Ein Bericht ohne Nachtest ist eine Momentaufnahme mit Ablaufdatum — und die Erfahrung ist, dass ein Teil der Behebungen beim ersten Anlauf unvollständig bleibt.
Deshalb gehört der Nachtest in die Beauftragung, nicht in die Verhandlung danach. Er kostet einen Bruchteil und entscheidet darüber, ob der ganze Aufwand etwas wert war.
Wann er sich lohnt
Bei Anwendungen, die Zahlungen abwickeln, Gesundheits- oder Personaldaten verarbeiten oder als Portal für viele Nutzer dienen. Dort ist der mögliche Schaden groß genug.
Und immer VOR dem Produktivstart, nicht danach. Ein Befund vor dem Start kostet einen Entwicklungstag; derselbe Befund danach kostet zusätzlich eine außerplanmäßige Veröffentlichung und im Zweifel eine Meldung an die Aufsichtsbehörde.
Rechtsgrundlagen
- Strafgesetzbuch (StGB)(öffnet in neuem Tab)§ 201 Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes, § 202a unbefugter Zugang zu gesicherten Daten, § 203 Verletzung von Privatgeheimnissen
- BSI-Gesetz (BSIG, Fassung des NIS-2-Umsetzungsgesetzes)(öffnet in neuem Tab)§ 30 Abs. 2 Maßnahmenkatalog, Satz 2 Nr. 10 Multi-Faktor-Authentifizierung, § 61 angeordnete Prüfung
- Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO)(öffnet in neuem Tab)Volltext im Amtsblatt der EU
- PCI DSS (Payment Card Industry Data Security Standard)(öffnet in neuem Tab)Anforderung 1.2.7 halbjährliche Regelprüfung, 6.4.2 WAF-Pflicht seit 31.03.2025, Leitfaden Penetration Testing Guidance v1.1
Häufige Fragen zu Penetrationstest
Wer muss einem Penetrationstest zustimmen, wenn die Anwendung bei einem Hoster läuft?
Verlangen PCI DSS oder NIS2 einen Penetrationstest?
Was belegt ein Penetrationstest ohne Befunde?
Muss die Firewall während eines Penetrationstests abgeschaltet werden?
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