Technik & Betrieb

Uptime (Verfügbarkeit)

Die Uptime gibt an, welcher Anteil der Zeit ein System erreichbar war — meist als Prozentwert über einen Monat oder ein Jahr. Die Zahl wirkt eindeutig und ist es selten.

Redaktionell geprüft von Alexander SeidlertwentyonepixelsStand:

Was die Prozentwerte bedeuten

Ein Jahr hat 8.760 Stunden. 99 Prozent erlauben 88 Stunden Ausfall, 99,9 Prozent knapp 9 Stunden, 99,99 Prozent 53 Minuten — alle drei aus diesen 8.760 Stunden gerechnet und damit selbst nachprüfbar. Zwischen den ersten beiden Stufen liegt ein Faktor zehn im Aufwand und im Preis.

Für die meisten Firmenwebsites sind 99,9 Prozent ausreichend und mit einem gepflegten Server erreichbar. Alles darüber verlangt mehrere Standorte und rechnet sich erst, wenn Ausfallminuten unmittelbar Umsatz kosten.

Was zwischen den Prozentwerten liegt

99 Prozent erlauben gut sieben Stunden Ausfall im Monat, 99,9 Prozent rund 43 Minuten, 99,99 Prozent gut vier. Der Sprung von der ersten zur zweiten Stufe ist bezahlbar, der zur dritten kostet ein Vielfaches — und wird fast nie gebraucht.

Die nützliche Frage ist deshalb nicht „wie viel Verfügbarkeit", sondern „was kostet uns eine Stunde Ausfall". Bei den meisten Betrieben ist die Antwort niedriger als der Preis der nächsten Stufe.

Warum die Messstelle über die Zahl entscheidet

Ein Anbieter misst am eigenen Rechenzentrum, eine Überwachung von außen misst den Weg dorthin mit. Die zweite Zahl ist immer schlechter und die ehrlichere — sie enthält Netzstörungen und DNS-Probleme, die den Nutzer genauso treffen.

Zweiter Punkt: Ein Server, der antwortet, aber Fehlerseiten liefert, gilt bei einer einfachen Erreichbarkeitsprüfung als verfügbar. Deshalb gehört zur Überwachung ein fachlicher Test, nicht nur ein Statuscode.

Wer misst, und was

Der entscheidende Punkt: Misst der Anbieter selbst, und zählt er geplante Wartung mit? Viele Zusagen klammern Wartungsfenster aus — dann ist die Seite nachts regelmäßig weg und die Statistik trotzdem makellos.

Deshalb gehört die Messung auf die eigene Seite. Ein unabhängiger Prüfdienst kostet wenige Euro im Monat und liefert die Zahl, über die im Zweifel gesprochen wird.

Häufige Fragen zu Uptime (Verfügbarkeit)

Der Bezugszeitraum entscheidet, wie lange ein einzelner Ausfall dauern darf. 99,9 Prozent im Jahresmittel gestatten 8,76 Stunden Stillstand, rechnerisch auch an einem Stück, ohne dass die Zusage gebrochen wäre. Dieselben 99,9 Prozent im Monatsmittel deckeln jeden Kalendermonat bei 43 Minuten und machen denselben achtstündigen Ausfall zur Vertragsverletzung. Beide Fassungen sind marktüblich. Wer allein die Prozentzahl vergleicht, vergleicht zwei verschiedene Zusagen.

Fällig wird in der Regel eine Gutschrift auf das Entgelt, kein Schadenersatz. Veröffentlichte Dienstgütevereinbarungen setzen dafür etwa ein Dreißigstel des Entgelts je Kalendertag mit Unterbrechung an, begrenzt auf ein Monatsentgelt und nicht in Bargeld ablösbar. Viele Anbieter schreiben die Gutschrift nur auf Reklamation gut, nicht automatisch. Der Ausgleich richtet sich damit nach der Rechnung des Hosters, nicht nach dem Schaden im Betrieb – der bleibt wirtschaftlich beim Kunden.

Die Zusagen der beteiligten Dienste multiplizieren sich, sie addieren sich nicht. Hängt eine Website an Hosting, DNS, einem Auslieferungsnetz und einer Zahlungsschnittstelle mit je 99,9 Prozent, liegt die gemeinsame Verfügbarkeit bei 0,999 hoch vier, also 99,6 Prozent – aus 8.760 Jahresstunden gerechnet rund 35 Stunden Ausfall statt der erwarteten knapp neun. Eine Zusage deckt den eigenen Bereich, nicht die Kette.

Eine lange Laufzeit belegt keinen gepflegten Server, sie deutet häufig auf das Gegenteil. Der Befehl uptime meldet auf einem Server die Zeit seit dem letzten Start; ein Kernel-Update wird erst mit einem Neustart wirksam, sofern kein Live-Patching eingerichtet ist. Ein Server, dessen Laufzeit 400 Tage beträgt, fährt folglich den Kernel von vor 400 Tagen. Die zugesicherte Verfügbarkeit in Prozent und die Laufzeit seit dem Start sind zwei verschiedene Zahlen.

Mindestens so lang wie der Abstand zwischen zwei Prüfungen. Verbreitete Prüfdienste rufen im kostenfreien Tarif alle fünf Minuten ab, im bezahlten jede Minute. Ein Ausfall von 90 Sekunden zwischen zwei Abrufen taucht in keiner Statistik auf. Umgekehrt schlägt eine einzige fehlgeschlagene Prüfung im Fünf-Minuten-Takt mit fünf Minuten zu Buche, knapp zwölf Prozent des Monatsbudgets von 43 Minuten, das 99,9 Prozent hergeben.

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