Projekt & Methodik

SLA (Service Level Agreement)

Ein SLA legt vertraglich fest, welche Leistung ein Dienstleister zusichert — Erreichbarkeit, Reaktionszeit bei Störungen, Behebungszeit. Ohne solche Zusagen bedeutet „wir kümmern uns" rechtlich nichts.

Redaktionell geprüft von Alexander SeidlertwentyonepixelsStand:

Die Zahl, auf die es ankommt

Nicht die Verfügbarkeit, sondern die REAKTIONSZEIT. 99,9 Prozent Verfügbarkeit klingen gut und erlauben knapp neun Stunden Ausfall im Jahr — entscheidend ist, ob jemand nach zehn Minuten oder nach zwei Tagen anfängt.

Und die Erreichbarkeit dahinter: Eine Reaktionszeit von vier Stunden gilt in vielen Verträgen nur werktags von 9 bis 17 Uhr. Ein Ausfall Freitagabend wird damit vertragsgemäß am Montag bearbeitet.

Welche Zusagen im Mittelstand wirklich zählen

Zwei: Wie schnell reagiert jemand, und wie schnell ist es behoben. Der Unterschied wird oft übersehen und ist der wichtigste im ganzen Papier — eine Reaktion binnen vier Stunden sagt nichts darüber, wann die Seite wieder läuft.

Dazu die Frage, wann diese Zeiten gelten. „Vier Stunden" innerhalb der Geschäftszeiten bedeutet am Freitagabend Montagmorgen. Wer das nicht klärt, klärt es beim ersten Ausfall.

Was hinter den Prozentwerten steckt

99,9 Prozent Verfügbarkeit erlauben rund 43 Minuten Ausfall im Monat, 99 Prozent gut sieben Stunden — gerechnet auf einen Monat mit 730 Stunden, sodass sich die Zahl im Vertrag selbst prüfen lässt. Der Unterschied zwischen beiden Zahlen sieht klein aus und ist der Unterschied zwischen einem Nachmittag und einer Randnotiz.

Wichtiger als der Wert ist, wer misst und was als Ausfall zählt. Wartungsfenster sind fast immer ausgenommen, und ein Server, der antwortet, aber Fehlerseiten liefert, gilt bei manchem Anbieter als verfügbar.

Was ein SLA nicht leistet

Es verhindert keinen Ausfall. Es regelt, was dann passiert — und meist, welche Gutschrift es gibt. Eine Gutschrift von zwei Monatsbeiträgen ersetzt keinen Umsatzausfall an einem Verkaufstag.

Deshalb ist die wichtigere Frage nicht die Höhe der Entschädigung, sondern ob der Anbieter die zugesagte Zeit realistisch halten kann. Wer sonntags allein ist, kann keine Vier-Stunden-Zusage über sieben Tage geben.

Rechtsgrundlagen

  • Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)(öffnet in neuem Tab)Anfechtung §§ 119–122, Bindung an den Antrag § 145, AGB-Recht §§ 305–310, Annahmeverzug § 615 (Ausfallgebühr), Werkvertrag §§ 631 ff., Widerruf §§ 355 ff., Zahlungsdienste §§ 675e Abs. 4, 675u, 675v

Häufige Fragen zu SLA (Service Level Agreement)

Mit dem Eingang der Störungsmeldung auf dem im SLA benannten Meldeweg, nicht mit dem Ausfall selbst. Eine Meldung am Samstagabend an eine Adresse, die der Vertrag nicht als Meldeweg führt, setzt keine Frist in Gang. Ein brauchbares SLA benennt deshalb den Kanal, den Zeitstempel und die Stelle, die die Meldung entgegennimmt. Fehlt diese Angabe, lässt sich weder eine Frist berechnen noch eine Verletzung belegen.

Drei genügen für eine Firmenwebsite: Seite nicht erreichbar, Funktion gestört, Schönheitsfehler. Ein veröffentlichtes Vertragsmuster staffelt genau diese drei Klassen mit Minderungen von 100, 80 und 10 Prozent der Vergütung, eine juristische Übersicht arbeitet mit fünf Prioritätsstufen; beide Angaben stammen aus Mustern, nicht aus einer Erhebung. Wichtiger als die Anzahl ist das Einstufungskriterium: die Auswirkung für den Besucher, nicht die technische Ursache. Ein SLA mit einer einzigen Frist für alles behandelt einen Tippfehler wie einen Totalausfall.

Der Wartungsvertrag regelt den Leistungsumfang – Updates, Sicherungen, Prüfungen –, das SLA die Zeit und die Güte, in der auf eine Störung reagiert wird. Eines ersetzt das andere nicht: Ein Wartungsvertrag ohne zugesagte Zeiten nennt keine Frist, ein SLA ohne beschriebenen Leistungsumfang sichert Geschwindigkeit für eine unbestimmte Leistung zu. Die gesetzliche Mängelhaftung läuft neben beiden weiter; ein eingehaltenes SLA macht aus einem Mangel keine ordnungsgemäße Leistung.

Nur wenn der Vertrag sie ausdrücklich zur einzigen Rechtsfolge erklärt. Fehlt eine solche Klausel, bestehen Minderung, Schadensersatz und Kündigung daneben weiter. Und auch mit Klausel gibt es eine Grenze: Die Haftung für Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit lässt sich in vorformulierten Bedingungen nicht abbedingen – so § 309 Nummer 7 Buchstabe b BGB, der zwischen Unternehmen über § 307 BGB als Maßstab wirkt. Die Gutschrift ist damit eine Untergrenze der Rechtsfolgen, keine Obergrenze.

Er ist regelmäßig verloren, obwohl die gesetzliche Verjährung mit drei Jahren noch weit offen steht. Öffentlich einsehbare Verträge großer Anbieter lassen die Gutschrift 30 Tage nach Monatsende oder mit Ablauf des Folgemonats verfallen, und eine vereinbarte Vertragsstrafe entfällt nach § 341 Absatz 3 BGB, wenn der Kunde die Leistung annimmt, ohne sich die Strafe dabei vorzubehalten. Daraus folgt eine Regel: Jeden Ausfall am selben Tag schriftlich und mit Uhrzeit melden.

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