Web & Entwicklung

Responsive Design

Responsive Design bedeutet, dass sich eine Website an jede Bildschirmgröße anpasst — vom Handy bis zum großen Monitor. Es gibt nicht mehrere Fassungen, sondern eine, die sich umbaut.

Redaktionell geprüft von Alexander SeidlertwentyonepixelsStand:

Warum es nicht mehr optional ist

Weil die Mehrheit der Besuche vom Handy kommt und Google seit Jahren die mobile Fassung zur Bewertungsgrundlage macht. Eine Seite, die auf dem Handy schlecht bedienbar ist, wird auch am Schreibtisch schlechter gefunden.

Praktisch heißt das: Wir bauen zuerst die schmale Ansicht und erweitern nach oben. Umgekehrt entsteht regelmäßig eine Handy-Fassung, die aussieht wie eine geschrumpfte Schreibtisch-Fassung.

Welche Bildschirmbreiten tatsächlich zählen

Nicht die Gerätenamen, sondern die Punkte, an denen der Inhalt bricht. Eine Tabelle mit sechs Spalten bricht bei einer anderen Breite als eine Bildergalerie — deshalb werden die Umbruchpunkte am Inhalt festgelegt und nicht an einer Geräteliste.

Praktisch prüft man stufenlos: das Browserfenster langsam schmaler ziehen und zusehen. Was dabei springt, überlappt oder abgeschnitten wird, ist die Arbeitsliste.

Was auf dem Handy zuerst leidet

Bedienflächen und Formulare. Ein Knopf, der am Schreibtisch großzügig wirkt, ist auf dem Handy oft zu klein für einen Daumen — als Untergrenze gelten 44 Pixel laut Apples Gestaltungsrichtlinien und 48 Pixel laut Googles Material Design. Und ein Formular mit zehn Feldern ist dort deutlich anstrengender als am Rechner.

Daraus folgt eine Reihenfolge: Wer die schmale Ansicht zuerst baut, entscheidet zuerst, was wirklich wichtig ist. Umgekehrt entsteht regelmäßig eine geschrumpfte Schreibtischfassung.

Woran es meist scheitert

An Tabellen, langen Wörtern und zu kleinen Bedienflächen. Eine Preistabelle mit sechs Spalten lässt sich nicht schrumpfen — sie muss auf schmalen Bildschirmen anders aussehen, nicht kleiner.

Und an Text, der theoretisch passt: Zwei Zeilen Überschrift am Schreibtisch werden auf dem Handy fünf. Deshalb wird mit echten Inhalten geprüft, nicht mit Beispieltext.

Rechtsgrundlagen

Häufige Fragen zu Responsive Design

Genau das darf nach WCAG nicht passieren. Das Erfolgskriterium 1.4.10 Reflow der WCAG 2.2 verlangt auf Stufe AA, dass Inhalt bei einer Breite von 320 CSS-Pixeln ohne Scrollen in zwei Richtungen nutzbar bleibt – vertikales Scrollen darf weiterhin nötig sein, zusätzliches horizontales nicht. Ausgenommen sind Inhalte, die zwingend zweidimensional sind, etwa Landkarten, Diagramme oder Datentabellen. 320 Pixel entsprechen einer Startbreite von 1.280 Pixeln bei 400 Prozent Zoom.

Responsive Design ändert nur das Layout je nach Bildschirmbreite – es ersetzt nicht die Textvergrößerung, die das Erfolgskriterium 1.4.4 Resize Text der WCAG 2.2 auf Stufe AA verlangt: Text muss sich ohne Hilfstechnologie um 200 Prozent vergrößern lassen, ohne dass Inhalt oder Funktion verloren gehen; ausgenommen sind Bildunterschriften und Text in Bildern. Eine responsive Seite, die das Zoomen per Viewport-Angabe unterbindet, verstößt gegen dieses Kriterium.

Daran, dass sich zentrale Bedienelemente nur mit der zweiten Hand oder durch Umgreifen erreichen lassen. Responsive Design löst allein die Geometrie – es sorgt dafür, dass Inhalt und Layout auf eine schmale Breite passen, nicht dafür, dass ein Daumen jedes Element trifft. Nach einer Beobachtungsstudie von Steven Hoober (UXmatters, 2013, 1.333 beobachtete Personen) bedienen 49 Prozent ihr Smartphone einhändig mit dem Daumen, weitere 36 Prozent tippen beidhändig nur mit einem Daumen.

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