Web & Entwicklung

Low-Code

Low-Code-Plattformen erlauben, Anwendungen überwiegend visuell zusammenzusetzen statt sie zu programmieren. Für einfache Formulare und Übersichten geht das erheblich schneller als klassische Entwicklung.

Redaktionell geprüft von Alexander SeidlertwentyonepixelsStand:

Wo die Ersparnis real ist

Bei internen Werkzeugen mit überschaubarer Logik: Urlaubsanträge, Inventarlisten, Freigabeprozesse. Solche Anwendungen entstehen in Tagen statt Wochen, und Fachabteilungen können sie oft selbst pflegen.

Für einen ersten Test einer Geschäftsidee ist es ebenfalls sinnvoll — solange klar ist, dass später umgebaut wird.

Warum der Ausstieg vorher geklärt gehört

Weil es ihn meist nicht gibt. Was auf einer solchen Plattform gebaut wurde, läuft nur dort; ein Export ergibt Konfigurationsdateien, keine lauffähige Anwendung. Eine Preiserhöhung oder eine Abkündigung trifft Sie dann ohne Ausweichmöglichkeit.

Vor der Entscheidung gehört deshalb die Frage auf den Tisch: Was kostet es, diese Anwendung woanders neu zu bauen? Wenn die Antwort „mehr als der Ursprungsbau" lautet, ist die Abhängigkeit der eigentliche Preis.

Wo sie endet

An drei Stellen zuverlässig: bei ungewöhnlicher Fachlogik, bei Leistung unter Last und bei der Abhängigkeit vom Anbieter. Was die Plattform nicht vorsieht, lässt sich oft gar nicht bauen — und ein Umzug bedeutet in der Regel Neuentwicklung.

Die Kostenrechnung dreht sich zudem mit der Nutzerzahl: Lizenzen pro Kopf und Monat sind bei zehn Nutzern günstig und bei zweihundert der teuerste Posten.

Rechtsgrundlagen

Häufige Fragen zu Low-Code

Low-Code lässt an definierten Stellen eigenen Programmcode zu, No-Code nicht. Praktisch entscheidet das darüber, wer eine Anforderung noch umsetzen kann, die der Baukasten nicht vorsieht: Bei Low-Code schreibt eine Entwicklerin eine Erweiterung, bei No-Code endet die Anwendung dort. Die Regel für die Auswahl: Verlangt die Aufgabe eine Schnittstelle zu einem Fremdsystem oder eine Regel mit mehreren Ausnahmen, ist No-Code die falsche Stufe. Den Begriff Low-Code prägte das Marktforschungshaus Forrester im Juni 2014.

Ein Jahr, wenn es gut läuft. Google kündigte seinen Baukasten App Maker Ende Januar 2020 ab: Ab dem 15. April 2020 ließen sich keine neuen Anwendungen mehr anlegen, im Januar 2021 stellten die bestehenden den Betrieb ein. Zwischen Ankündigung und Abschaltung lagen knapp zwölf Monate, zwischen Ankündigung und Baustopp elf Wochen. Als Begründung nannte Google geringe Nutzung. Wer in dieser Frist eine gewachsene Fachanwendung ersetzen muss, plant den Ersatz nicht, sondern improvisiert ihn.

Das Unternehmen, nicht die Fachabteilung und nicht der Plattformanbieter. Wer über Zweck und Mittel einer Verarbeitung entscheidet, ist Verantwortlicher nach Artikel 4 Nummer 7 DSGVO – unabhängig davon, ob die IT von der Anwendung überhaupt weiß. Verarbeitet das selbst gebaute Werkzeug Personaldaten, gehört es in das Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten nach Artikel 30 DSGVO. In übernommenen Beständen finden wir solche Anwendungen regelmäßig erst, wenn ihr Erbauer das Unternehmen verlässt.

Nicht verbindlich. Microsoft hat die kapazitätsbasierte Lizenz für einzelne Anwendungen auf seiner Plattform zum 2. Januar 2026 für neue Kunden über mehrere Einkaufskanäle geschlossen. Wer eine einzelne Anwendung schmal betreiben wollte, landet damit in der Nutzerlizenz, die Microsoft für Deutschland mit 17,30 Euro je Nutzer und Monat bei jährlicher Abrechnung ausweist. Die Anwendung bleibt dieselbe, die Abrechnung nicht – über diese Rechengröße bestimmt allein der Anbieter.

Die Kontrolle über den ausgelieferten Seitenaufbau. Eine Low-Code-Plattform erzeugt die Oberfläche aus eigenen Bausteinen; fehlt einem Bedienelement die Beschriftung für Vorleseprogramme oder stimmt die Reihenfolge beim Durchtabben nicht, lässt sich das nicht im Quelltext korrigieren, sondern nur beim Anbieter melden. Für Anwendungen, die seit dem 28. Juni 2025 unter das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz fallen, verschiebt das die Lage: Die Pflicht bleibt bei Ihnen, beheben kann sie nur ein anderer.

Nichts Belastbares. Das Marktforschungshaus Gartner sagte einen Low-Code-Anteil von 65 Prozent aller Software-Umsetzungen bis 2024 voraus, später 75 Prozent aller neuen Unternehmensanwendungen bis 2026 gegenüber 25 Prozent im Jahr 2020; Forrester schätzte das Marktvolumen Anfang 2021 auf 21,2 Milliarden US-Dollar bis 2022. Keine dieser Zahlen beschreibt ein einzelnes Vorhaben. Prüfbar sind drei andere Größen: die Zahl der Nutzer, der Anteil an Logik außerhalb des Baukastens und die geplante Lebensdauer.

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