Technik & Betrieb

CDN (Content Delivery Network)

Ein CDN ist ein Netz verteilter Server, die Kopien einer Website vorhalten und sie vom geografisch nächstgelegenen Standort ausliefern. Das verkürzt die Übertragungszeit und entlastet den Ursprungsserver.

Redaktionell geprüft von Alexander SeidlertwentyonepixelsStand:

Wann es wirklich hilft

Bei internationalem Publikum und bei großen Dateien – Bildern, Videos, Downloads. Wer aus Australien eine Seite abruft, deren Server in Frankfurt steht, wartet auf die Entfernung. Ein Standort in der Nähe löst das.

Bei rein deutschem Publikum und einem Server in Deutschland ist der Gewinn dagegen gering. Dann bringen Bildkomprimierung und Zwischenspeicherung deutlich mehr als ein zusätzliches Netz. Die Größenordnung lässt sich ausrechnen: In Glasfaser legt das Signal rund 200 Kilometer je Millisekunde zurück, Hin- und Rückweg zusammen kosten also grob 10 ms je 1.000 km Entfernung — gerechnet, nicht gemessen, und ohne die Verzögerung durch Zwischenstellen.

Wann sich ein Auslieferungsnetz lohnt

Bei Besuchern aus mehreren Ländern, bei vielen großen Bildern oder Videos, und als Schutzschild gegen Überlastungsangriffe. Für eine regionale Firmenwebsite mit deutschem Publikum bringt es beim Tempo wenig — der Weg zum Server ist ohnehin kurz.

Der Schutz ist oft das stärkere Argument als die Geschwindigkeit. Er ist bei den gängigen Anbietern im Grundtarif enthalten und deshalb auch für kleine Seiten erschwinglich.

Was bei der Zwischenspeicherung schiefgeht

Persönliche Inhalte im gemeinsamen Speicher. Wenn eine Seite mit Anmeldung ausgeliefert und zwischengespeichert wird, kann der nächste Besucher fremde Daten sehen — der schwerwiegendste und keineswegs seltene Konfigurationsfehler.

Deshalb wird von vornherein getrennt: Öffentliche Seiten und Dateien in den Speicher, alles hinter einer Anmeldung ausdrücklich davon ausgenommen. Diese Trennung gehört in die Grundeinstellung, nicht in eine Ausnahmeliste.

Der Datenschutzaspekt

Ein Verteilnetz sieht die Anfragen Ihrer Besucher, einschließlich IP-Adressen. Sitzt der Betreiber außerhalb der EU, ist das ein Punkt, der in der Datenschutzerklärung stehen und rechtlich abgesichert sein muss.

Es gibt europäische Anbieter, die dieses Problem nicht haben. Für Websites, die mit Datenschutz werben, ist das keine Nebensache, sondern eine Frage der Glaubwürdigkeit – ein Verteilnetz aus den USA vor einer Seite mit deutschem Hosting wäre ein Widerspruch.

Rechtsgrundlagen

Häufige Fragen zu CDN (Content Delivery Network)

Acht. Artikel 28 Absatz 3 DSGVO führt sie als Buchstaben a bis h: Weisungsbindung, Vertraulichkeit, Sicherheitsmaßnahmen nach Artikel 32, Bedingungen für weitere Auftragsverarbeiter, Unterstützung bei Betroffenenrechten und bei Meldepflichten, Löschung oder Rückgabe nach Vertragsende sowie Nachweise und Überprüfungen. Absatz 9 verlangt Schriftform, elektronisch genügt. Beim Auslieferungsnetz wiegt der vierte Punkt schwer: Jeder zusätzliche Standort ist ein weiterer Auftragsverarbeiter. Eine Übermittlung in ein Drittland wird dadurch nicht zulässig – dafür gelten die Artikel 44 bis 49 gesondert.

Der Betreiber des Netzes. Die verschlüsselte Verbindung des Besuchers endet an dessen Knoten, nicht an der eigenen Anwendung: Die Dokumentation eines großen Anbieters beschreibt zwei getrennte Strecken – Besucher zum Knoten und Knoten zum Ursprungsserver –, zwischen denen entschlüsselt und neu verschlüsselt wird (abgerufen am 15.09.2026). In der schwächsten Einstellung läuft die zweite Strecke sogar unverschlüsselt, während der Besucher ein geschlossenes Schloss sieht. Das Schloss belegt deshalb nur die erste Hälfte des Weges.

Bis ihre Frist abläuft oder sie ausdrücklich verworfen wird. Fehlt eine Angabe im Cache-Control-Kopf, hält ein großer Anbieter eine Antwort mit Status 200 laut eigener Dokumentation 120 Minuten an den Knoten (abgerufen am 15.09.2026). Das Verwerfen wirkt nach RFC 9111 Abschnitt 4.4 nur auf den Zwischenspeicher, der die Anfrage erhält: Der Browser des Besuchers bleibt unberührt und behält die alte Datei, bis die über max-age gesetzte Frist abgelaufen ist. Verlässlich wirkt daher nur ein Versionsstempel im Dateinamen.

Nichts – ein Auslieferungsnetz verkürzt den Weg, nicht die Rechenzeit. Große Anbieter speichern in der Grundeinstellung nach Dateiendung: CSS, JavaScript, Bilder, Schriften, PDF und Archive stehen in der Liste, das HTML-Dokument ausdrücklich nicht. Jede Seitenanfrage läuft damit bis zur Anwendung durch, und die Zeit bis zum ersten Byte bleibt, wie sie ohne Netz war. Ein Netz ist deshalb keine Antwort auf eine Anwendung, die schon aus kurzer Entfernung langsam antwortet.

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