Daten & Sicherheit

Zero Trust

Zero Trust ist ein Sicherheitsansatz, der keinem Zugriff allein deshalb vertraut, weil er aus dem eigenen Netz kommt. Jede Anfrage wird geprüft — unabhängig davon, wo sie herkommt.

Redaktionell geprüft von Alexander SeidlertwentyonepixelsStand:

Der Bruch mit dem alten Modell

Früher galt: innen sicher, außen gefährlich. Wer im Firmennetz war, durfte viel. Das funktioniert nicht mehr, seit Mitarbeiter von überall arbeiten und Dienste in verschiedenen Rechenzentren laufen.

Zero Trust dreht die Annahme um: Jeder Zugriff weist sich aus, jede Berechtigung ist so eng wie möglich, und es wird protokolliert, wer was getan hat.

Warum der Begriff oft als Produkt verkauft wird

Weil er sich gut verkauft. Es handelt sich um ein Konzept, nicht um eine Software — kein Produkt stellt „Zero Trust" her. Wer ein solches Angebot bekommt, sollte fragen, welche der drei Maßnahmen oben es konkret umsetzt.

Die ehrliche Reihenfolge beginnt ohnehin ohne Einkauf: Rechte durchsehen und aufräumen. Das kostet Zeit und findet regelmäßig Zugänge von Personen, die seit Jahren nicht mehr im Haus sind.

Was davon für einen Mittelständler zählt

Nicht die Produktkategorie, sondern drei Gewohnheiten: Zwei-Faktor-Anmeldung für alle administrativen Zugänge, Rechte nach tatsächlichem Bedarf statt nach Bequemlichkeit, und ausscheidende Mitarbeiter zeitnah entfernen.

Diese drei Punkte verhindern in der Praxis mehr als jede zugekaufte Lösung — und sie kosten nichts außer Konsequenz. Was unterhalb einer gewissen Betriebsgröße dagegen nicht zu haben ist, sind vollständige Geräteprüfungen bei jedem Zugriff: Sie brauchen eine Verwaltungsinfrastruktur, die sich dort nicht rechnet.

Häufige Fragen zu Zero Trust

Zero Trust schützt die Vertraulichkeit und die Integrität der Daten, nicht deren Verfügbarkeit. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik benennt diesen Verzicht in seinem Positionspapier von 2023 ausdrücklich: Einschränkungen bei der Verfügbarkeit werden in Kauf genommen, weil ein Zugriff, der sich nicht eindeutig nachweisen lässt, verweigert wird – im Zweifel auch der berechtigte. Ausfallsicherheit entsteht deshalb auf einem anderen Weg: geprüfte Sicherungen, ein Wiederanlaufplan und doppelt ausgelegte Dienste.

Sieben. Der Standard SP 800-207 „Zero Trust Architecture“ der US-Normungsbehörde NIST vom 11. August 2020 listet in Abschnitt 2.1 genau sieben Grundsätze – darunter, dass jede Datenquelle als Ressource gilt, dass Zugriff je Sitzung neu gewährt wird und dass eine Organisation den Sicherheitszustand aller eigenen Geräte laufend messen muss. NIST bezeichnet die sieben ausdrücklich als Ideal und hält fest, dass sich nicht jeder davon in reiner Form umsetzen lässt.

Die Komponente, die über jeden einzelnen Zugriff entscheidet. In einer Zero-Trust-Architektur entsteht keine Verbindung ohne deren Freigabe; fällt diese Stelle aus oder wird sie blockiert, steht der Zugriff auf alle Ressourcen gleichzeitig. Der NIST-Standard SP 800-207 beschreibt in Abschnitt 5.2, dass bereits ein Betriebsfehler eine ganze Organisation arbeitsunfähig machen kann. Eine Verteilung auf mehrere Standorte mindert dieses Risiko, beseitigt es nicht.

Ein Verzeichnis der eigenen Geschäftsprozesse und der Ressourcen, die darin vorkommen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik nennt sechs Voraussetzungen, die vor der Planung technischer Maßnahmen erfüllt sein müssen – von den priorisierten Kernprozessen über die beteiligten Organisationseinheiten bis zu schriftlich formulierten Zugriffsrichtlinien. Fehlen sie, ist laut Positionspapier die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Ansatz scheitert oder die Sicherheit sogar sinkt.

Nie in dem Sinn, in dem ein Projekt einen Abnahmetermin hat. Der NIST-Standard SP 800-207 hält in Abschnitt 7 fest, dass die meisten Organisationen auf unbestimmte Zeit im Mischbetrieb aus Zero Trust und klassischem Perimeter arbeiten werden und ein vollständiger Umbau innerhalb eines einzigen Technologiezyklus unwahrscheinlich ist. Tragfähig ist deshalb die Frage nach dem nächsten abgesicherten Geschäftsprozess statt nach einem Endtermin.

Weniger, als sie klingt. Eine Erhebung des Marktforschers Gartner unter 303 Sicherheitsverantwortlichen aus dem vierten Quartal 2023, veröffentlicht im April 2024, ergab: 63 Prozent der Organisationen weltweit haben eine Zero-Trust-Strategie ganz oder teilweise umgesetzt. Bei den meisten davon deckt sie jedoch die Hälfte der IT-Umgebung oder weniger ab und mindert ein Viertel des Unternehmensrisikos oder weniger. Die Selbstauskunft sagt also nichts über die Reichweite.

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