Webentwicklung

WordPress-Alternativen: wann sich der Wechsel lohnt

WordPress betreibt einen großen Teil des Webs, und für viele Projekte ist das die richtige Wahl. Für manche nicht. Woran Sie erkennen, zu welcher Gruppe Sie gehören — und was die Alternativen tatsächlich anders machen.

3 Min. Lesezeit
Redaktionell geprüft von Alexander Seidlertwentyonepixels

Wofür WordPress nach wie vor die richtige Wahl ist

Wenn regelmäßig Inhalte gepflegt werden, wenn mehrere Personen ohne technische Kenntnisse damit arbeiten sollen und wenn es für Ihre Anforderung wahrscheinlich schon eine Erweiterung gibt — dann ist WordPress schwer zu schlagen. Die Verbreitung ist ein echter Vorteil: Sie finden Leute, die es können, und Sie sind nicht von einem einzigen Dienstleister abhängig.

Wer von WordPress abrät, ohne diese Punkte zu nennen, verkauft meist die eigene Lösung. Das gehört zur ehrlichen Einordnung dazu.

Die drei Gründe, aus denen Projekte trotzdem wechseln

Der erste ist Wartungsaufwand. WordPress ist wegen seiner Verbreitung ein bevorzugtes Ziel automatisierter Angriffe. Eine gepflegte Installation ist sicher, eine ungepflegte wird übernommen — das ist keine Frage des Ob. Wer die regelmäßige Pflege nicht leisten will oder kann, hat mit einer Alternative ohne Erweiterungsökosystem weniger Angriffsfläche.

Der zweite ist Geschwindigkeit unter Last. Viele WordPress-Seiten sind langsam, aber nicht wegen WordPress, sondern wegen zwanzig Erweiterungen, die alle mitgeladen werden. Das lässt sich in den Griff bekommen — nur ist der Aufwand dafür manchmal höher als ein Neubau.

Der dritte ist Individualität. Sobald Ihre Anwendung eigene Abläufe abbildet — Konfiguratoren, Kundenportale, Anbindungen an Warenwirtschaft —, arbeiten Sie gegen ein System, das für Beiträge und Seiten gebaut wurde. Dann ist ein Framework die ehrlichere Grundlage.

Was die Alternativen tatsächlich anders machen

Kopflose Redaktionssysteme trennen Inhalt und Darstellung: Die Inhalte liegen in einem System, die Website holt sie über eine Schnittstelle. Das lohnt sich, wenn dieselben Inhalte an mehreren Stellen ausgespielt werden — Website, App, Anzeigetafel. Bei einer einzelnen Website ist es Mehraufwand ohne Gegenwert.

Vorab erzeugte Seiten werden nicht bei jedem Aufruf berechnet, sondern einmal als fertige Dateien gebaut. Das Ergebnis ist sehr schnell und praktisch nicht angreifbar, weil zur Laufzeit nichts ausgeführt wird. Der Preis: Nach jeder Änderung muss neu erzeugt werden.

Anwendungs-Frameworks wie Laravel mit Vue sind der Weg, wenn die Website vor allem Abläufe abbilden soll und Inhaltspflege nur ein Teilaspekt ist. Sie bekommen volle Freiheit und geben dafür die fertigen Bausteine auf, die ein Redaktionssystem mitbringt.

Die Entscheidungsfrage, auf die es hinausläuft

Wie viel Prozent Ihrer Website ist Inhaltspflege, und wie viel ist Anwendungslogik? Bei überwiegend Inhalt bleiben Sie bei einem Redaktionssystem. Bei überwiegend Abläufen nehmen Sie ein Framework. Bei einer echten Mischung ist die kopflose Variante einen Blick wert.

Was Sie in keinem Fall tun sollten: wechseln, weil das neue System moderner klingt. Ein Wechsel kostet Umzug, Einarbeitung und ein Risiko für die Sichtbarkeit. Er braucht einen Grund aus der Liste oben, nicht aus einem Vortrag.

Häufige Fragen

Nicht zwangsläufig, aber das Risiko ist real und wird meist unterschätzt. Entscheidend sind vollständige Weiterleitungen von alten auf neue Adressen, unveränderte Inhalte auf den wichtigen Seiten und eine Sitemap, die den neuen Stand abbildet. Wer das sauber macht, sieht meist eine Delle über wenige Wochen — wer es unterlässt, verliert dauerhaft.

Weniger als der Neubau der Website und mehr als erwartet. Der Aufwand steckt nicht in der Technik, sondern in der Inhaltsübernahme und in den Weiterleitungen. Wir schätzen das nach der Zahl der bestehenden Seiten und danach, wie strukturiert die Inhalte vorliegen.

Ja. Auch bei Framework-Lösungen bauen wir eine Pflegeoberfläche — meist bewusst schlanker, beschränkt auf die Bereiche, die sich tatsächlich ändern. Erfahrungsgemäß wird eine solche Oberfläche eher genutzt als ein Vollsystem, in dem alles möglich ist.